INFO: In den Jahren 2023 und 2026 gedenkt die Franziskanische Familie weltweit vier bedeutsamer 800-jähriger Jubiläen: Franz von Assisi (um 1181-1226) inszenierte vor 800 Jahren in dem kleinen lateinischen Ort Greccio die Menschwerdung Gottes durch ein Krippenspiel und 2024 jährte sich die Stigmatisierung des Heiligen Franziskus und 2025 die Komposition des Sonnengesangs, eines von Franziskus als Lobpreis der Schöpfung verfassten Hymnus, der in viele Sprachen übersetzt wurde und heute Teil der Weltliteratur ist. In diesem Jahr enden die Feierlichkeiten in der Erinnerung an den 800. Todestag des Heiligen am 03. Oktober 1226. Sein Ideal radikaler Armut prägte Orden wie die Franziskaner, Kapuziner und Klarissen.
Franziskusjahr 2026: Aus dem Anlass des 800. Todestages hat die Diözese Assisi beschlossen, die sterblichen Überreste des Heiligen vom 22. Februar bis zum 22. März erstmals öffentlich in Assisi zu zeigen. Dazu haben sich über die dafür eingerichtete Homepage (Buchung eines Zeitfensters zur Besichtigung der Reliquien: https://sanfrancescovive.org/en/booking/ ) inzwischen über 370.000 Menschen angemeldet. Wer die Gebeine sehen möchte, muss sich über das kostenlose Reservierungssystem anmelden.
Am Samstag, 21. Februar, fand um 16 Uhr die Überführung des Sarges mit den sterblichen Überresten des Franziskus von der Krypta der Basilika San Francesco in die darüber liegende Unterkirche statt. Geleitet wurde die Zeremonie vom Päpstlichen Beauftragten, Kardinal Ángel Fernández Artime. Zum Auftakt der Reliquien-Ausstellung trat um 21 Uhr die Schola Cantorum der London Oratory School zu einem Konzert auf. Während der einmonatigen Schau finden zahlreiche liturgische, kulturelle und spirituelle Veranstaltungen statt. Zu den Bistums-Wallfahrten unter Leitung der jeweiligen Bischöfe werden Hunderte von Gläubigen erwartet. Daher ist die Teilnahme an den Heiligen Messen in der Basilika nur mit vorheriger Anmeldung über die Seite sanfrancescovive.org möglich. Am 28. Februar, 7. und 21. März singt jeweils um 19.30 Uhr die Cappella Musicale der Päpstlichen Basilika Sankt Franziskus in Assisi eine musikalische Sammlung zur Passion Christi. Am 10. März um 21 Uhr gastieren die Knoxville Catholic High School Singers aus Tennessee, USA. Zum Franziskanischen Jugendtreffen am 14. und 15. März unter dem Titel „Schwester Tod“ haben sich laut den Ordensleuten bisher rund 400 junge Frauen und Männer aus ganz Italien angemeldet. Den Konzertreigen beschließt am 17. März das Orchestra da Camera Fiorentina. Die Konzerte finden stets in der Oberkirche der Basilika statt, sind kostenlos und ohne Voranmeldung und je nach Verfügbarkeit zugänglich. Die Messe zum Abschluss der Reliquien-Ausstellung am Sonntag, 22. März, leitet um 17 Uhr der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi.
Feiertag zu Ehren von Franziskus von Assisi: In Italien gibt es bald wieder einen Feiertag zu Ehren von Franziskus von Assisi. Das italienische Parlament hat am 8. Oktober 2025 den 4. Oktober, den Gedenktag des italienischen Schutzpatrons, wieder zum staatlichen Feiertag erklärt. Der Tag war bereits 1958 schon einmal eingeführt, aber 1977 im Zuge einer Feiertagsreform wieder abgeschafft worden. Den jeweiligen Präsidenten von Abgeordnetenkammer und Senat, die das Gesetz verabschiedeten, schickte Staatspräsident Mattarella zugleich ein Schreiben mit kritischen Anmerkungen zu dem neuen Gesetz: Unklar sei, ob der Tag ausschließlich dem heiligen Franziskus gewidmet sei oder auch der heiligen Katharina von Siena, deren Festtag in Italien ebenfalls am 4. Oktober begangen wird. Der Tag solle künftig zur Förderung der Werte des Friedens, der Geschwisterlichkeit, des Umweltschutzes und der Solidarität dienen, hieß es. Weiter sei vorgesehen, dass Schulen an diesem Tag entsprechende Initiativen fördern sollten, die mit den Werten, für die die beiden Heiligen stünden, in Einklang seien. Da durch den nun genehmigten Feiertag die Schulen geschlossen seien, müsse auch hier Klarheit geschaffen werden.
Wallfahrtsort Assisi: Die Stadt des Hl. Franziskus im mittelitalienischen Umbrien zieht jährlich bis zu fünf Millionen Pilger und Touristen an. Neben der Franziskusbasilika über dem Grab des Heiligen Franz besuchen Assisi-Pilger zumeist auch die Portiuncula-Kapelle und die Einsiedelei „delle carceri“ in einem nahen Wald. Dorthin zog sich der Ordensgründer zum Gebet zurück.
Franziskus von Assisi: Der Gründer des Franziskanerordens (Ordo Fratro Minorum, OFM) hieß ursprünglich Giovanni Bernardone (* um 1181/1182 in Assisi, Italien, † 3. Oktober 1226 in Portiuncula bei Assisi) und war Sohn eines reichen Tuchhändlers. 1202 wurde er im Krieg der Stadt Assisi gegen Perugia gefangen genommen. Nach schwerer Krankheit und langer Genesung während der Gefangenschaft bekehrte er sich bei der Pflege von Aussätzigen. Immer wieder zog er sich in die Einsamkeit zurück, um den Willen Gottes zu erspüren und fand dessen vielfältige Weisen der Liebe in der Schönheit der Schöpfung. Er beschloss, das Evangelium buchstäblich zu verwirklichen und ein Leben in völliger Armut zu führen. Er wählte das Leben als Einsiedler, dem sich im Laufe der Zeit immer mehr junge Männer anschlossen. 1210 bat Franziskus mit seinen Gefährten in Rom beim Papst um die Bestätigung der Regel ihrer Armutsbewegung zu erbitten. In der Zeit der Kreuzzüge reiste Franziskus 1219 als Missionar bis Palästina und schloss sich dort dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. An der Nil-Mündung predigte er im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil, um Frieden zu erreichen. Der Sultan war sehr beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch, doch Franziskus konnte die bevorstehende Schlacht nicht verhindern und der Kreuzzug insgesamt wurde fortgeführt.
Franziskus starb am Abend zum 4. Oktober 1226 und wurde bereits 1228 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Seit 1230 liegen seine Gebeine in einem Sarkophag in der Unterkirche von San Francesco in Assisi. Da er nicht nur Menschen, sondern auch Tieren gepredigt haben soll, gilt seine Hinwendung zur Natur als beispielhaft für modernes Umweltbewusstsein. Franz von Assisi wurde von der katholischen Kirche zum Patron der Umweltschützer und Ökologen erhoben. In dieser Tradition steht die 1995 gegründete Franz von Assisi-Akademie zum Schutz der Erde (http://www.faape.org/ ). Weltweit gibt es heute rund 15.000 Minderbrüder in 103 Provinzen und sind bis heute in der Kirche die größte Ordensfamilie. Weltweit leben schätzungsweise eine Million Schwestern und Brüder nach der franziskanischen Spiritualität. Mehr: http://www.franziskaner.de/ .
Orden der Franziskaner: Rund 18.000 Ordensleute gibt es derzeit in Deutschland, davon über 14.000 Ordensfrauen in 1.226 klösterlichen Niederlassungen zahlreicher Gemeinschaften und rund 3.700 Ordensmännern in 400 klösterlichen Niederlassungen von 60 verschiedenen Ordensgemeinschaften. Die größten Gruppen sind die benediktinisch, franziskanisch und vinzentinisch geprägten Ordensgemeinschaften, doch traditionell ist wie bei den Frauenorden und weltweit auch hier die franziskanische Ordensfamilie besonders stark. Aus den Anfängen der Bettelorden-Bewegung vor rund 800 Jahren entstanden neben den Franziskanern (Ordo Fratrum Minorum, OFM) und den Minoriten (OFMConv) auch die Kapuziner (Ordo Fratrum Minorum Capucinorum, OFMCap), die auf den 1209 gegründeten ersten Orden des hl. Franziskus zurückgehen.
Die von Franziskus ins Leben gerufene Bruderschaft wurde mit der Anerkennung durch Papst Innozenz III. (1209/10) und der Bestätigung der endgültigen Regel (1223) zum Orden der Minderen Brüder (Ordo Fratrum Minorum, OFM). Die ersten Mitglieder kamen bereits 1217 – noch zu Lebzeiten des Heiligen Franziskus – über die Alpen, wurden aber zurückgewiesen, weil man sie mit ihren mangelnden Sprachkenntnissen für Ketzer hielt. Der zweite Versuch war erfolgreicher: 1221 erreichten die ersten 25 Brüder die zukünftige Provinz Teutonia. Schon 1230 teilte man die Provinz Teutonia in die Rheinische und Sächsische Provinz, 1239 wurde die Rheinische in die Provincia Argentina (Oberdeutsche Provinz mit Sitz in Straßburg) und die Provincia Colonia (Niederdeutsche Provinz mit Sitz in Köln) aufgeteilt. Sie wiederum bestand ab dem Generalkapitel von 1260 aus den sieben Kustodien Köln, Trier, Hessen, Westfalen, Holland, Deventer und Brabant. Mit 80 Klöstern war sie bereits 1282 nach der Aquitanischen die zweitgrößte Provinz des ganzen Ordens, zum Ende des 13. Jahrhunderts sind im deutschsprachigen Raum rund 200 Konvente dokumentiert. Mehr: http://www.franziskaner.de/
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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Chefredakteur Dr. Christof M. Beckmann | Redaktion KiP-NRW | 0208 - 46849961 | Mail: beckmann@kip-nrw.de- 800 Jahre: Das Franziskus-Jahr 2026

