In den Tagen vor der Katastrophe hatte es in den betroffenen Regionen bereits ausgiebig geregnet, so dass die Böden mit Wasser gesättigt waren. Als dann in der Flutnacht binnen 24 Stunden weitere 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter hinzukamen, konnten die Wassermassen nicht mehr versickern und fast der gesamte Niederschlag floss oberirdisch ab. Der Effekt wurde durch topografische Faktoren noch verstärkt: Das enge, steile Tal der Ahr wirkte damals wie eine Rinne, die die Wassermassen aus dem Einzugsgebiet rasant bündelte und als zerstörerische Sturzflut ins Untertal lenkte. In Rheinland-Pfalz kamen 134 Menschen ums Leben, weitere 49 Opfer starben in Nordrhein-Westfalen. Die Schäden wurden auf gut 29 Milliarden Euro geschätzt. Davon entfielen allein rund 13 Milliarden Euro auf NRW.
Stark betroffen: Orte im Gebiet der EKiR
In Orten wie Sinzig, Bad Münstereifel, Stolberg, Erftstadt-Blessem oder Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo die Wassermassen Mitte Juli 2021 besonders hart zugeschlagen hatten, mussten viele Betroffene praktisch „bei Null“ anfangen. Möbel, Kleidung, Haushaltsgeräte, Autos aber auch wichtige Dokumente und persönliche Erinnerungsstücke hatten die Fluten weggespült oder unbrauchbar gemacht. Die Keller, Wände und Böden in den Wohnungen und Häusern hatten sich voll Wasser gezogen. Estrich und Putz mussten abgeschlagen werden, um die Gebäude trocknen zu können.
Das von der Flut schwer getroffene Ahrtal liegt im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR ). Mit der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler haben die Wassermassen dort einen Ort zerstört, mit dem die rheinische Landeskirche besonders eng verbunden ist. Seit vielen Jahren fand hier regelmäßig die Landessynode statt – das „Parlament“ der rheinischen Kirche mit rund 200 Abgeordneten aus Gemeinden, Kirchenkreisen und Landeskirche. Der Tagungsort, das Dorinth-Hotel, wurde bei der Flutkatastrophe schwer verwüstet. Ebenso die gleich neben der Ahr gelegene Martin-Luther-Kirche, wo traditionell die Eröffnungsgottesdienste der Landessynode stattfanden.
Kirche an der Seite der Opfer
Als Dr. Thorsten Latzel , der Präses der EKiR, nur wenige Tage nach der Flut betroffene Regionen seiner Landeskirche besuchte, führte ihn sein Weg deshalb auch nach Bad Neuenahr. Sichtlich betroffen ließ er sich die Zerstörungen in der Lutherkirche und im benachbarten Gemeindehaus zeigen, stieg in dessen Keller hinunter, wo Wasser und Schlamm das ganze Gemeindearchiv vernichtet hatten und besuchte zusammen mit Notfallseelsorgern Bewohner der Stadt und auswärtige Helfer. Weitere Stationen auf Latzels Reise waren u.a. Bad Münstereifel, Trier, Eschweiler, Sinzig und Erftstadt, die allesamt von den Wassermassen verwüstet wurden. Hier gibt es Reiseeindrücke von damals im Video .
Neben den enormen Sachschäden, die das Juli-Hochwasser angerichtet hatte, gab es auch solche, die sich nicht mit Geldzahlungen regeln ließen. Viele Betroffene leiden z.T. bis heute unter den psychischen Folgen des Erlebten: Kinder haben plötzlich Angst, wenn es anfängt zu regnen. Erwachsene berichten von Schlafstörungen, Herzklopfen oder Magen-Darm-Beschwerden. Auch sogenannte „Flash-Backs“, bei denen plötzlich belastende oder verstörende Bilder aus der Flutnacht wieder auftauchen, sind keine Seltenheit.
Riesige Hilfsbereitschaft
Nur wenige Wochen nach der Flutkatastrophe hatte die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) deshalb zehn mobile Fluthilfeteams mit insgesamt 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Hochwassergebiete entsandt. Zu diesen multiprofessionellen Teams gehörten neben Seelsorgern auch Pädagoginnen, Psychologinnen und Bauberater.
Die große Not der Flutopfer löste in der bundesdeutschen Bevölkerung eine unglaubliche Hilfsbereitschaft aus. Mit Lebensmitteln und Getränken, mit Eimern, Schaufeln, Traktoren und kleinen Baggern machten sich Tausende auf den Weg in die betroffenen Gebiete, um die Menschen zu versorgen und beim Aufräumen zu helfen. Auch die finanzielle Hilfsbereitschaft war enorm.
655 Millionen Euro gespendet
Wie der Evangelische Pressedienst (epd) am 13. Juli 2022 berichtete, hatte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in einer Umfrage unter den Hilfsorganisationen ermittelt, dass innerhalb eines Jahres nach der Flutkatastrophe 655 Millionen Euro für die vom Hochwasser betroffenen Menschen gespendet worden waren. An der Umfrage hatten sich 49 Hilfswerke, Bündnisse, staatliche Einrichtungen und Verbände beteiligt.
Weiter hieß es damals im epd-Bericht: „38 der befragten Einrichtungen hätten in der Umfrage auch Angaben über die Verwendung der Mittel gemacht. Danach hatten sie zum Zeitpunkt der Umfrage Ende Juni 2022 bereits 35 Prozent der erhaltenen Spenden ausgegeben. Weitere 46 Prozent der Gelder waren für Vorhaben vorgesehen oder zumindest konkret eingeplant. Ein knappes Drittel der Organisationen, die auf die Umfrage antworteten, gab demnach an, bereits sämtliche Mittel ausgegeben oder weitergeleitet zu haben. Als Hinderungsgrund für eine rasche Verwendung der Gelder gaben die Spendenempfänger unter anderem schwierige Abstimmungsprozesse mit anderen Beteiligten wie staatlichen Stellen, Partnerorganisationen oder Versicherungen an.“
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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de- Bad Neuenahr fünf Jahre nach der Flut

