Pressemitteilung

Buchtipp „Kirche gegen den Hass“

Von Kerstin Mühlmann (ev.). Rechtsextreme Parolen beschränken sich längst nicht mehr nur auf die politischen Ränder. Sie können im Familienkreis fallen, am Stammtisch, in sozialen Netzwerken – und auch in kirchlichen Zusammenhängen. Wie damit umgehen?

  • 11.10.2026

Wie können oder sollten Christinnen und Christen reagieren, wenn Menschenfeindlichkeit plötzlich direkt neben ihnen Platz nimmt? Der von Bettina Schlauraff und Sönke Lorberg-Fehring herausgegebene Band „Kirche gegen den Hass – Mit dem alltäglichen Rechtsextremismus umgehen“ nimmt genau diese Alltagssituationen in den Blick. Schlauraff ist Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Lorberg-Fehring ist Pastor und Beauftragter der Nordkirche für Christlich-Islamischen Dialog.

Ein Arbeitsbuch

Das Buch ist ein Sammelband mit 223 Seiten und versteht sich ausdrücklich als Praxisbuch. Es will Kirchengemeinden nicht nur über Rechtsextremismus informieren, sondern ihnen konkrete Hilfen an die Hand geben. In einem ersten Teil geht es um das Verhältnis von Rechtsextremismus und Kirche. Dabei wird auch die Geschichte und Entwicklung rechter Theologie betrachtet. Ein Beitrag des Theologen Arnulf von Scheliha etwa beschäftigt sich mit „Christentum von rechts“ und ordnet Erscheinungsformen wie religiösen Rechtsextremismus und die sogenannte Ordnungstheologie ein.

Im zweiten Teil wird es unmittelbar praktisch: Predigten und Andachten zeigen, wie sich das Thema theologisch aufnehmen lässt. Unter den Autorinnen und Autoren finden sich unter anderem die Bischöfinnen Kirsten Fehrs und Kristina Kühnbaum-Schmidt. Der dritte Teil richtet den Blick auf konkrete Aktionen und Veranstaltungsformate. Gemeinden erhalten Anregungen, wie sie vor Ort für Demokratie und Menschenwürde eintreten und gegenüber rechtsextremen Parolen sprachfähig werden können.

Tipps für die Praxis

Gerade diese Verbindung von theologischer Reflexion und praktischer Anleitung macht die Stärke des Buches aus. „Kirche gegen den Hass“ bleibt nicht bei der Feststellung stehen, dass Rechtsextremismus eine Gefahr für die Gesellschaft ist. Die Herausgeber fragen vielmehr: Was kann eine Kirchengemeinde am Montagmorgen tun, wenn im Gemeindehaus eine menschenfeindliche Äußerung fällt? Wie kann eine Predigt aussehen? Welche Veranstaltungen und Initiativen sind möglich? Und wie lässt sich verhindern, dass rechte Denkmuster unbemerkt in kirchliche Sprache und Theologie eindringen?

Die große Zahl der Beiträge bringt dabei unterschiedliche Perspektiven zusammen. Das macht den Band abwechslungsreich und eröffnet viele Zugänge. Zugleich ist es seine Schwäche: Die einzelnen Texte stehen teilweise eher nebeneinander, als dass sie konsequent aufeinander aufbauen. Leserinnen und Leser müssen sich manches Mal selbst den roten Faden zwischen Analyse, Theologie und Praxis erschließen. Genau diesen Punkt hat auch eine ausführlichere Rezension des Bandes kritisch hervorgehoben.

Wegsehen ist bequem

Dennoch überzeugt das Buch gerade dort, wo es nicht bei großen politischen Begriffen bleibt. Es richtet den Blick auf den „alltäglichen Rechtsextremismus“ und damit auf Situationen, in denen Wegsehen bequem, Widerspruch aber notwendig ist. Die Beiträge machen deutlich: Eine Kirche, die für Nächstenliebe, Menschenwürde und die gleiche Würde jedes Menschen eintritt, kann sich gegenüber menschenfeindlichen Ideologien nicht neutral verhalten.

Das ist keine leichte Lektüre. Sie konfrontiert mit historischen Verstrickungen, aktuellen Konflikten und der Frage nach der eigenen Verantwortung. Gleichzeitig ist „Kirche gegen den Hass“ kein Buch der Resignation. Viele Beispiele zeigen, dass Gemeinden bereits handeln und dass kirchliches Engagement gegen Rechtsextremismus sehr unterschiedliche Formen annehmen kann.

Fazit: „Kirche gegen den Hass“ ist vor allem ein Arbeitsbuch für Haupt- und Ehrenamtliche in den Gemeinden. Wer eine systematische wissenschaftliche Gesamtdarstellung des Rechtsextremismus erwartet, wird hier nicht fündig. Wer dagegen wissen möchte, wie Kirche konkret widersprechen, argumentieren und handeln kann, findet zahlreiche brauchbare Anregungen. Die Lektüre fordert heraus – und sie macht Mut, dass christliches Engagement gegen Menschenfeindlichkeit nicht bei Worten bleiben muss.

Bettina Schlauraff / Sönke Lorberg-Fehring (Hg.):

„Kirche gegen den Hass. Mit dem alltäglichen Rechtsextremismus umgehen.

Theologische und praktische Ansätze für Gemeinden“

Neukirchener Verlag 2026, 223 Seiten, 24 Euro

 

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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de
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