Der Ur-Antrieb für das Unternehmertum ist das Streben nach Gewinn. Produkte und Dienstleistungen gegen Geld werden so kalkuliert, dass ihr Verkauf nach Abzug aller Herstellungskosten mehr einbringt als der insgesamt dafür betriebene Aufwand. Was anschließend mit diesem Gewinn passiert, hängt u.a. von der Art und Größe des Unternehmens ab. Kleine und mittelständische Firmen werden zumindest Teile des Geldes reinvestieren – z.B. in größere Produktionsstandorte oder neuere Maschinen – um den Betrieb zu sichern, wettbewerbsfähig zu bleiben und die Produktion und damit auch den künftigen Gewinn zu verbessern. Große Konzerne wie etwa Aktiengesellschaften müssen darüber hinaus auch ihre Anleger bei Laune halten und Anteile am Gewinn als Aktiendividende an ihre Gesellschafter auszahlen.
Betriebswirtschaftlich gesehen sind die Menschen, die in der Produktion arbeiten oder Dienstleistungen erbringen, vor allem eines: Ein Kostenfaktor. Lange Zeit gehörte es zur Unternehmensführung, diesen Faktor möglichst klein zu halten. Die Folgen waren – vor allem in der Zeit der industriellen Revolution – Hungerlöhne, ausufernde Arbeitszeiten und politische Rechtlosigkeit. Den Gewerkschaften und Arbeiterparteien ist es zu verdanken, das dem hemmungslosen Gewinnstreben der Unternehmen gesetzliche Grenzen gesetzt wurden.
Waren zu Beginn der Industrialisierung 15-Stunden-Arbeitstage üblich, wurde nach dem Ersten Weltkrieg der 8-Stunden-Tag und die 48-Stunden-Woche eingeführt. Die Gewerkschaften setzten ab den 1920er Jahren tarifliche Urlaubsregelungen durch. Weitere Meilensteine waren die von Bismarck zwischen 1883 und 1889 eingeführten Sozialgesetze wie die Krankenversicherung (1883), die Unfallversicherung (1884) und die Invaliditäts- und Altersversicherung (1889).
In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels versuchen auch deutsche Unternehmen heute, Mitarbeitende durch attraktive Arbeitsbedingungen und andere zusätzliche Leistungen an sich zu binden. Daneben gibt es aber auch Firmen, die sich beim Umgang mit Kunden und Mitarbeitern explizit auf christlich geprägte Grundsätze in ihrer Unternehmenskultur beziehen. Das gilt zum Beispiel für die Unternehmen Deichmann SE (Schuhproduktion und-verkauf), ABUS KG (Sicherheitstechnik) oder die Carl Weiske GmbH (Textil-/Strumpfwaren), die sich in ihren Firmen-Leitbildern offen zu christlichen Prinzipien wie Menschenwürde, Ehrlichkeit, Fairness bekennen.
Die Deichmann-Stiftung beispielsweise fördert weltweit Bildungs-, Gesundheits- und Hilfsprojekte, um Menschen in Not zu unterstützen und die soziale Teilhabe zu fördern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen, wobei sie sowohl schnelle Hilfe als auch langfristige Projekte wie den Zugang zu sauberem Trinkwasser oder medizinischer Versorgung in Entwicklungsländern (z.B. Madagaskar) sowie Unterstützung für benachteiligte Kinder in Deutschland leistet.
Deutschlandweit gibt es eine ganze Reihe von Zusammenschlüssen, in denen sich Unternehmer/innen mit christlichem Profil gegenseitig stützen und stärken und gemeinsam ihre Interessen vertreten. Dazu gehört zum Beispiel der 2001 in Ostwestfalen-Lippe gegründete Verein Christliche Unternehmer e.V. , der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (aeu), der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) aber auch regionale Zusammenschlüsse wie die INITIATIVE für evangelische Verantwortung in der WIRTSCHAFT e. V. (kurz: Initiative Wirtschaft ). In diesem Verband sind überwiegend Inhaberinnen und Inhaber von kleinen und mittleren Unternehmen mit bis 100 Mitarbeitern organisiert. Eigenen Angaben zufolge ermutigt die Initiative „Unternehmer/innen, freiberuflich Tätige sowie andere Führungskräfte in Kirche und Gesellschaft, die beruflichen Herausforderungen in christlicher Verantwortung zu meistern. Dies geschieht zum Beispiel durch Tagungen und Publikationen. Mitglieder von INITIATIVE e.V. stellen dafür ihre Arbeitskraft ehrenamtlich zur Verfügung. (…) Das Leitmotiv der Arbeit lautet »Begegnung – Erfahrungsaustausch – Inspiration – Gemeinschaft«. Als Kernaussage gilt: »Mutig glauben und verantwortlich handeln!«“
Lesetipp: „“Gott und Geld: Christliche Ethik und wirtschaftliches Handeln“ – Vortrag von Ex-Bischof Wolfgang Huber unter https://www.ekd.de/071019_huber_muenchen_langenscheidt.htm
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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de- Christliche Unternehmensführung

