Es ist früh am Morgen, wenn in der Werkstatt von Ralf Knoblauch das Holz zu sprechen beginnt. Noch bevor der Alltag des Diakons einsetzt, widmet sich der Bonner Künstler seinen Figuren. Eine Stunde lang arbeitet er an alten Holzstücken, behutsam und zugleich kraftvoll. Aus dem Material entstehen Könige und Königinnen – keine makellosen Herrscher, sondern eigenwillige, manchmal etwas schiefe Gestalten mit Rissen, Kanten und sichtbaren Spuren ihrer Vergangenheit.
Menschenwürde als zentrales Thema
Knoblauchs Lebensweg verbindet dabei zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammengehören: das Handwerk des Tischlers und die Seelsorge. 1964 in Bottrop geboren, absolvierte er von 1982 bis 1985 eine Tischlerausbildung. Anschließend holte er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte von 1989 bis 1994 katholische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Es folgte die Ausbildung zum Pastoralreferenten im Erzbistum Köln. Nach Jahren in der Pastoral in Köln wurde Knoblauch 2007 zum Diakon geweiht und kam in den Bonner Nordwesten. Dort ist die Sozialpastoral bis heute ein Schwerpunkt seiner Arbeit.
Gerade dort begegnet ihm täglich die Kehrseite einer Gesellschaft , in der Würde nicht für alle selbstverständlich erlebt wird: Menschen in Armut, mit Suchterfahrungen, familiären Konflikten oder Gewalterfahrungen, Menschen ohne festen Halt und Geflüchtete mit ihren oft traumatischen Lebensgeschichten. Knoblauch versteht seine seelsorgliche Arbeit deshalb auch als Dienst an Menschen, denen ihre gesellschaftliche Stellung oder ihre Lebensumstände das Gefühl geben können, weniger wert zu sein als andere. Seine Antwort lautet: Jeder Mensch besitzt eine Würde, die ihm niemand nehmen kann.
Ein König aus Treibholz
Die Idee zu den Königsfiguren entstand aus einem scheinbar unspektakulären Fund während eines Urlaubs in Kroatien, erzählt er in einem Interview mit der Online-Plattform katholisch.de : „“Ich habe dort mal am Strand ein Stück Treibholz gefunden. Für mich habe ich in dieser alten Eiche einen König gesehen und ihn dann letztlich in meinen drei Wochen Aufenthalt dort herausgeholt.“

(Foto: Bettina Furchheim)
Aus diesem Erlebnis wurde ein künstlerisches Ritual. Knoblauch kehrte zum Holz zurück und begann, regelmäßig Figuren zu schaffen. Er versteht sich dabei weniger als klassischer Bildhauer, der aus einem Rohstoff eine perfekte Form herausarbeitet. Vielmehr legt er frei, was im Holz bereits angelegt ist. Risse, Unebenheiten und Bruchstellen bleiben sichtbar. Das passt zu seinem Menschenbild. Auch Menschen sind für Knoblauch keine glatten, fehlerlosen Wesen. Sie tragen Erfahrungen, Verletzungen und Brüche mit sich. Gerade diese Spuren machen sie nicht weniger wertvoll. Das Holz wird so zum Spiegel des Menschen: Es ist gealtert, beschädigt und unvollkommen – und gerade darin unverwechselbar.
Keine Herrscher mit Macht
Wer Knoblauchs Könige betrachtet, entdeckt allerdings zunächst wenig, was an einen mächtigen Herrscher erinnert. Die Figuren sind klein, schlicht und häufig mit geschlossenen Augen dargestellt. Ihre Kronen wirken nicht wie Symbole politischer Macht. Manche halten sie in der Hand, manchmal liegen sie sogar neben den Figuren auf dem Boden. Darin liegt ein entscheidender Bruch mit dem traditionellen Bild des Königs. Die Figuren stehen nicht für Reichtum, Einfluss oder gesellschaftliche Überlegenheit. Sie behaupten eine andere Form von Königlichkeit: die Würde, die jedem Menschen allein dadurch zukommt, dass er Mensch ist.
Die Krone wird damit zum Gegenbild gesellschaftlicher Hierarchien. Sie sagt: Du musst weder reich noch erfolgreich, gesund oder angesehen sein, um Würde zu besitzen. Auch wer am Rand der Gesellschaft steht, bleibt ein König – und zwar nicht erst dann, wenn sich seine Lebenssituation verbessert.
Das erklärt auch, weshalb Knoblauch seine Figuren nicht einfach als Kunstobjekte in einer Vitrine aufbewahrt. Sie gehen hinaus: in Kirchen, soziale Einrichtungen, Flüchtlingsunterkünfte, Bildungshäuser und öffentliche Räume. Die Figuren waren und sind an sehr unterschiedlichen Orten zu finden. Sie sollen Gespräche auslösen und Menschen dazu bringen, ihre eigene Würde und die Würde anderer neu wahrzunehmen. Die Königsfiguren sind deshalb zugleich Kunstwerke und Botschafter. Ihre Botschaft ist denkbar einfach: »Du bist wertvoll. Deine Würde ist unverlierbar. Und weil auch der andere diese Würde besitzt, bist du für ihn verantwortlich.«
(Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt)
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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de- Hölzerne Könige und die Menschenwürde

