Pressemitteilung

Die USA vor den Midterms

Von Achim Stadelmaier (ev.). Am 3.11.2026 entscheiden die US-Amerikaner über die Mehrheitsverhältnisse im Kongress. Für Präsident Trump und seine Republikanische Partei geht es um die politische Handlungsfähigkeit in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit

  • 25.10.2026
  • Achim Stadelmaier

Die Demokraten hoffen, die knappen Mehrheiten der Republikaner zu brechen. Neben Inflation, Lebenshaltungskosten und Einwanderungspolitik spielt auch die Religion eine Rolle im Wahlkampf. Insbesondere der christliche Nationalismus prägt die Auseinandersetzung darüber, welche Werte die Vereinigten Staaten politisch verkörpern sollen.

Worum geht´s bei der Wahl?

Bei den sogenannten Midterm Elections, den Zwischenwahlen, werden weder der Präsident noch der Vizepräsident neu gewählt. Stattdessen stimmen die Bürger über die Zusammensetzung des US-Kongresses ab, der aus zwei Kammern besteht: dem Repräsentantenhaus und dem Senat.

Im Repräsentantenhaus stehen alle 435 stimmberechtigten Sitze stehen zur Wahl. Die Abgeordneten werden für zwei Jahre gewählt. Derzeit verfügen die Republikaner über eine knappe Mehrheit. Ein Wechsel der Mehrheitsverhältnisse würde die Gesetzgebung und die parlamentarische Kontrolle der Regierung erheblich beeinflussen.

In der zweiten Kammer – dem Senat – werden dagegen nur 35 der insgesamt 100 Sitze neu vergeben. Die Republikaner verfügen gegenwärtig über 53 Sitze; die demokratische Fraktion kommt einschließlich zweier mit ihr stimmender Unabhängiger auf 47. Für eine eigene Mehrheit benötigen die Demokraten daher einen Nettogewinn von mindestens vier Sitzen.

Die Bedeutung der Wahlen reicht über den Kongress hinaus. Die Mehrheitspartei bestimmt maßgeblich die Arbeit der Ausschüsse und beeinflusst, welche Gesetzesvorhaben behandelt und welche Vorgänge der Regierung untersucht werden. Gewinnen die Demokraten eine Kammer, könnten sie die Regierung Trump intensiver kontrollieren und Vorladungen sowie Untersuchungen veranlassen. Eine demokratische Senatsmehrheit könnte zudem die Bestätigung von Personal für wichtige Regierungsämter erschweren. Präsident Trump bliebe allerdings im Amt und behielte sein Vetorecht.

Wahlprognosen sind schwierig

Eine am 9. Oktober 2026 veröffentlichte Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments (EPRS ) zeichnet ein Bild unterschiedlicher Ausgangslagen für die beiden Kammern: Für das Repräsentantenhaus rechnen die ausgewerteten Prognosen eher mit einem demokratischen Mehrheitsgewinn. Im Senat ist der Ausgang offener.

Ein wichtiger Faktor für die Wahl ist die Bewertung der Regierung. Eine am 11. Oktober 2026 veröffentlichte Umfrage der Financial Times und des Instituts Focaldata unter 2.275 registrierten US-Wählern ergab, dass nur 34 Prozent Trump insgesamt positiv bewerteten. Lediglich 25 Prozent befürworteten seinen Umgang mit Wirtschaft und Beschäftigung, rund 20 Prozent seinen Umgang mit der Inflation. Mehr als zwei Drittel der Befragten meinten, die US-Wirtschaft entwickle sich in die falsche Richtung.

Diese Zahlen beschreiben lediglich die Stimmung unter den Befragten, sind aber keine Vorhersage des Wahlergebnisses. Die Wahlbeteiligung, regionale Unterschiede und die konkreten Kandidaten können den Ausgang einzelner Rennen verändern. Zudem werden am 3. November in 39 Bundesstaaten Gouverneure gewählt. Auch diese Wahlen sind wichtig, weil Gouverneure unter anderem Einfluss auf die Politik ihrer Bundesstaaten und auf die Gestaltung von Wahlkreisgrenzen haben.

Die Rolle des christlichen Nationalismus

Der christliche Nationalismus ist eine politische Strömung, die die nationale Identität der USA eng mit dem Christentum verbindet und christlichen Vorstellungen einen besonderen Platz in Staat und Gesellschaft einräumen möchte. Je nach Ausprägung reicht das von der stärkeren Orientierung staatlicher Politik an christlichen Werten bis zur Forderung, die USA ausdrücklich als christliche Nation zu definieren. Er ist nicht mit christlichem Glauben oder konservativer Religiosität insgesamt gleichzusetzen.

Für die Wahlentscheidung ist diese Unterscheidung wichtig: Religiöse Überzeugungen können beeinflussen, welche Positionen Menschen zu Abtreibung, Bildung, Einwanderung, Außenpolitik oder zur Trennung von Kirche und Staat vertreten. Der Begriff „christlicher Nationalismus“ bezeichnet jedoch eine spezifisch politische Vorstellung vom Verhältnis zwischen Religion und Nation. Eine repräsentative Umfrage des Pew Research Center unter 3.592 Erwachsenen, durchgeführt vom 6. bis 12. April 2026, zeigt, wie umstritten diese Vorstellung ist:

Demnach haben 31% der Befragten eine negative Einstellung zum christlichen Nationalismus, nur zehn Prozent sehen ihn positiv. Die restlichen 59% der Befragten hatten keine klare Meinung oder kannten den Begriff nicht. Die politischen Unterschiede sind deutlich. Laut Pew halten 69 Prozent der Republikaner und der ihnen zuneigenden Unabhängigen es für richtig, dass die Bibel großen oder zumindest gewissen Einfluss auf US-Gesetze hat. Bei Demokraten und ihnen zuneigenden Unabhängigen sind es 34 Prozent. 27 Prozent der republikanisch orientierten Befragten befürworten, das Christentum zur offiziellen Religion der USA zu erklären. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil bei 17 Prozent.

Für einen Teil der republikanischen Wählerschaft sind christliche Werte damit ein wichtiger Bezugspunkt. Die Nähe zwischen evangelikalen Christen und der Republikanischen Partei ist seit Jahren politisch bedeutsam. Donald Trump hat diese Wähler unter anderem durch seine Unterstützung konservativer Richter, seine Haltung zur Abtreibungspolitik und die Betonung religiöser Rechte angesprochen. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 stimmten laut einer von Reuters zitierten Pew-Auswertung 81 Prozent der weißen evangelikalen Wähler für Trump.

Allerdings ist diese Unterstützung nicht bedingungslos. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage vom 3. bis 8. Juni 2026 ergab, dass 54 Prozent der befragten Evangelikalen Trumps Militäreinsatz im Iran nicht mit ihrem Verständnis des Christentums vereinbaren konnten. 51 Prozent hielten auch den Umgang seiner Regierung mit Einwanderung nicht für vereinbar mit christlichen Werten. Trumps Zustimmungswert unter Evangelikalen lag in dieser Umfrage bei 52 Prozent, verglichen mit 61 Prozent im August 2025. Die Ergebnisse deuten auf Konflikte innerhalb dieses Wählerlagers hin: Während manche Christen die Regierung wegen ihrer konservativen Gesellschaftspolitik unterstützen, kritisieren andere deren militärisches Vorgehen oder Einwanderungspolitik aus religiösen und moralischen Gründen.

Materielle Sorgen und kulturelle Konflikte

Die Midterms werden nicht allein durch religiöse Überzeugungen entschieden. Die wirtschaftliche Lage, steigende Lebenshaltungskosten, Arbeitsplätze, Gesundheitsversorgung und Einwanderung zählen zu den zentralen Themen. Bei diesen Fragen treffen materielle Interessen und kulturelle Wertvorstellungen häufig aufeinander.

Der christliche Nationalismus wirkt dabei in zwei Richtungen: Er kann die Mobilisierung religiös-konservativer Wähler unterstützen, die sich eine stärkere Verankerung christlicher Werte in der Politik wünschen. Zugleich stößt er bei vielen anderen Amerikanern auf Ablehnung. Nach der Pew-Erhebung vom April 2026 sind 52 Prozent der Erwachsenen der Ansicht, konservative Christen gingen bei dem Versuch zu weit, ihre religiösen Werte in Regierung und öffentlichen Schulen durchzusetzen. Eine Mehrheit der Befragten spricht sich außerdem dafür aus, dass der Staat die Trennung von Kirche und Staat durchsetzt.

Ob religiöse Überzeugungen am Wahltag tatsächlich ausschlaggebend sind, lässt sich aus diesen Einstellungsumfragen allein nicht ableiten. Sie zeigen aber, dass die Rolle des Christentums im öffentlichen Leben ein politischer Konflikt bleibt, der parteipolitische Bindungen verstärken und zugleich innerparteiliche Spannungen erzeugen kann.

Am 3. November geht es deshalb um mehr als die Verteilung parlamentarischer Sitze. Die Wähler entscheiden auch darüber, wie stark sie die politische Richtung der Trump-Regierung unterstützen oder begrenzen wollen. Die aktuellen Umfragen und Prognosen sprechen für einen offenen Wettbewerb, insbesondere im Senat. Wie sich wirtschaftliche Unzufriedenheit, parteipolitische Loyalität und religiös geprägte Wertvorstellungen an den Wahlurnen niederschlagen, wird sich wohl erst am Wahltag zeigen.

Religion und Nationalismus, Christentum und radikale Rechte sind auch in Deutschland ein Thema. So versucht u.a. die „Alternative für Deutschland“ (AfD) einerseits, die christlichen Kirchen in der Bundesrepublik sowie ihre Hilfswerke Diakonie und Caritas zu diskreditieren: Sie seien mit der „Regenbogen-Ideologie“ durchsetzt bzw. aktive Unterstützer der Migration. Andererseits wird versucht, christliche Symbole und Begriffe im völkisch-nationalistischen Sinne der AfD umzudeuten. Wer hier tiefer einsteigen möchte, dem seien die Vorträge auf der Website von Deutschlandfunk NOVA (Audio) empfohlen.

(Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt)

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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de
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