Ihr Arbeitsplatz ist die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bochum. Boyke und Hofmann kümmern sich gemeinsam mit zwei katholischen Seelsorgern und einem Imam um die rund 700 Männer, die hier inhaftiert sind. Auch für die etwa 350 Bediensteten der JVA sind sie ansprechbar – doch das passiere eher selten, wie die beiden Pfarrer im Interview erzählen.
Das Engagement von evangelischer und katholischer Kirche in den Justizvollzugsanstalten basiert rechtlich betrachtet auf Artikel 4 des Grundgesetzes zur Religionsausübung sowie auf entsprechende Teile des Strafvollzugsgesetzes von 1976. Die theologische Grundlage für die Arbeit der Gefängnisseelsorger/innen findet sich in einer biblischen Geschichte, in der Jesus mit einem Gleichnis sagt: Wer Fremde bei sich aufnimmt, wer Armen Essen, Trinken und Kleidung schenkt, wer Kranke oder Menschen im Gefängnis besucht, der tut Gottes Wille und erfüllt seine Gebote, denn – so Jesus am Ende der Geschichte: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (siehe Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, Vers 31 bis 41). Nach christlichem Menschenbild verliert kein Mensch seine von Gott geschenkte Würde. Gott gibt jedem Menschen jederzeit die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen, umzukehren, ein Leben ohne Straftaten zu führen.
Gefängnisseelsorger/innen sind sowohl für die Gefangenen als auch für die Bediensteten seelsorgerisch tätig. Sie unterliegen der Schweigepflicht. Die Evangelische Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland ist der Zusammenschluss der fast 300 evangelischen Seelsorger und Seelsorgerinnen in den Justizvollzugsanstalten Deutschlands. Mehr unter https://www.gefaengnisseelsorge.de/ (ev.) bzw. https://gefaengnisseelsorge.net/ (kath.).
Unterstützt werden die Seelsorger vielerorts von ehrenamtlichen Helfern/innen. Vereine wie zum Beispiel der Katholische Gefängnisverein Düsseldorf e.V. oder der Verein für Gefangenenseelsorge Herford e.V. besuchen die Inhaftierten regelmäßig und organisieren in den Haftanstalten individuelle und gruppenorientierte Projekte. Die Freiwilligen bringen durch ihren Dienst ein Stück von „der Welt da draußen“ und etwas Abwechslung in den „Knastalltag“. Bereits seit 1925 engagiert sich im gleichen Feld auch die bundesweite Christliche Straffälligenhilfe „Schwarzes Kreuz“ . Sie hilft Strafgefangenen und deren Angehörigen während und nach der Haft. Zu Weihnachten bittet das „Schwarze Kreuz“ regelmäßig um Weihnachtspakete für Gefangene.
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