Pressemitteilung

Maler, Humanist und Lebensretter

Von Carsten Griese (ev.). Der 1893 in Mülheim an der Ruhr geborene Otto Pamkok gilt bis heute als einer der wichtigsten deutschen Maler, Graphiker und Bildhauer. Unter den Nazis wurde seine Kunst diffamiert und er selbst zum Lebensretter

  • 08.11.2026

In einer bürgerlichen Familie wuchs Otto Pankok mit Idealen auf, die von Humanismus und Christentum geprägt waren. Den Aufstieg Hitlers in der Weimarer Republik und den Rassenwahn der Nazis beobachtet er mit Sorge und Abscheu. Er stellte ihnen bewusst sein Kunst entgegen und begann Anfang der 1930er Jahre, die im Düsseldorfer Heinefeld (im heutigen Stadtteil Unterrath) ansässigen Sinti und Roma zu malen.

Auch anderen gesellschaftlichen Minderheiten setzte Pankok so ein Denkmal. Als Hitlers Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen und das gesamte öffentliche Leben nach ihren völkisch-arischen Vorstellungen umbauten, betraf das auch die kulturellen Bereiche wie Kunst und Literatur. Pankoks „Zigeuenerbilder“ wurden als „entartete Kunst“ diffamiert, er selbst erhielt 1936 Berufsverbot.

Das Versteck in der Eifel

Es folgten Aufenthalte im Münsterland, in der Grafschaft Bentheim sowie in Bokeloh bei Meppen, ehe sich Pankok auf Anraten eines Künstlerfreundes in die Eifel zurückzog. Hier lebte er ab 1941 mit seiner Frau Hulda und Tochter Eva in dem Dörfchen Pesch in der Nähe von Bad Münstereifel. Sie alle werden dort eines Nachts durch lautes Klopfen an der Haustür geweckt. Vor ihnen stehen der Maler Mathias Barz und seine Frau, die jüdische Schauspielerin Hilde Barz. Beide sind seit Monaten auf der Flucht vor der Nazi-Verfolgung und bitten Unterschlupf.

Pankok will sofort helfen, bittet aber vorher seine Familie um Zustimmung, erzählt die Leiterin des Otto-Pankok-Museums in Hünxe , Dr. Dagmar Schmengler: „Sogar Tochter Eva wurde dann nachts noch gefragt, weil ganz klar war, wenn die ganze Sache auffliegt, ist die gesamte Familie dran – die ganze Familie muss mit dem Leben dann bezahlen, und so sollte eben auch Eva Pankok in diesen demokratischen Familienbeschluss involviert sein.“

Dank der Hilfe überlebt das Ehepaar Barz die Verfolgung und das Kriegsende. Dafür werden Otto Pankok und seine Frau Hulda 2014 von der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem posthum als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Interessant sind in diesem Zusammenhang Bilder von Pankok, in denen er das gewaltsame Vorgehen der Nazis gegen jüdische Mitbürger thematisiert, sagt Museumsleiterin Dr. Dagmar Schmengler: „Da gibt es eine brennende Synagoge zu sehen, auch zerstörte Synagogen, es gibt auch Ghettoszenen zu sehen und auch viele Hinweise über das Leben der jüdischen Gemeinden.“

Die Reichspogromnacht 1938

Die Werke entstanden offensichtlich unter dem Eindruck der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Damals steckten fanatische Nazis über 1.400 Synagogen im ganzen Land in Brand, zerstörten und plünderten mehr als 7 ½ Tausend jüdische Geschäfte. Auch Tausende Privatwohnungen wurden von SA- und SS-Trupps brutal zertrümmert und jüdische Friedhöfe geschändet.

Der Sachschaden wurde auf Hunderte Millionen Reichsmark geschätzt. Die NS-Führung zwang die jüdische Bevölkerung zudem zu einer „Sühneleistung“ von einer Milliarde Reichsmark und zog sämtliche Versicherungsansprüche für die Schäden zugunsten des Staates ein. Die moderne Geschichtsforschung geht von mindestens 400 bis rund 1.500 Menschen aus, die direkt während der Pogromtage (9. bis 13. November) durch Lynchjustiz, Erschießungen oder schwere Misshandlungen ermordet wurden oder sich aus purer Verzweiflung das Leben nahmen.

Unmittelbar ab dem 10. November verschleppte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die SS zudem rund 30.000 jüdische Männer in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. In den Lagern starben infolge des brutalen Terrors und der katastrophalen Bedingungen in den Folgewochen Hunderte weitere Gefangene. Die Pogrome vom November 1938 markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden ab 1933 hin zu ihrer systematischen Vertreibung und Unterdrückung, die später im Holocaust an sechs Millionen Menschen münden sollten.

Aktuelle Ausstellung in Hünxe

Bis zu seinem Tod 1966 lebte Otto Pankok mit seiner Familie im Haus Esselt in Hünxe. Hier ist heute das Otto Pankok Museum untergebracht, das in seiner aktuellen Ausstellung Bilder von Pankok mit Werken des zeitgenössischen Künstlers Stephan Kaluza kombiniert, um eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen.

Auf der einen Seite: Pankoks „Zigeunerbilder“, auf denen er Düsseldorfer Sinti portraitierte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurden. Auf der anderen Seite: Fotografien von Stephan Kaluza, die scheinbar idyllische Landschaften zeigen. Die Wahrnehmung dieser Idylle bricht jedoch radikal auf, sobald man erfährt, wo die Bilder aufgenommen wurden: Zum Beispiel nur wenige Meter von der Gedenkstätte Auschwitz entfernt oder auf dem Schlachtfeld an der Somme. Die Ausstellung mit dem Titel „Das weite Feld“ fragt passend zur Zeit: „Lernen wir aus unserer Geschichte?“

--

Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de
Maler, Humanist und Lebensretter
  • Maler, Humanist und Lebensretter