Pressemitteilung

Mit Weihrauch und Kerzen: Große Bühne für die Kleinen

  • 28.06.2026
  • Stefan Klinkhammer


INFO: Rund 300.000 junge Menschen engagieren sich in der katholischen Kirche als Messdienerinnen und Messdiener. Gut die Hälfte (54 Prozent) ist weiblich, wie aus einer am 18. Juni in Wiesbaden vorgestellten Auswertung der deutschen Bistümer hervorgeht. Die Zahlen wurden beim Forum Ministrantenpastoral vorgestellt, das vom 16. bis 18. Juni 2026 von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) veranstaltet wurde. Rund 60 Fachleute aus den deutschen Bistümern sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Ausbildung und pastoraler Praxis berieten über die Zukunft der Ministrantenpastoral.

Bei der bislang letzten Erhebung 2015/2016 hatte die Zahl von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die den Altardienst übernehmen, noch bei 360.000 gelegen. Damals waren mit 48 Prozent anteilig noch etwas mehr Jungen und Männer Ministranten als heute (46 Prozent). Im Vergleich der Bistümer liegt Rottenburg-Stuttgart vorn; das Bistum zählt 21.290 Ministrantinnen und Ministranten und damit so viele wie kein anderes. Der Anteil weiblicher Ministrantinnen liegt bundesweit bei rund 54 Prozent. Das Erzbistum Paderborn erreicht mit 55 Prozent den höchsten Anteil weiblicher Ministrantinnen. Im Bistum Dresden-Meißen engagieren sich 3.400 Ministrantinnen und Ministranten. Bezogen auf die Katholikenzahlen des Bistums entspricht dies rund 2,7 Prozent. Gerade in einem Diaspora-Bistum macht diese Zahl deutlich, welche Bedeutung der Ministrantendienst für die Sichtbarkeit jungen kirchlichen Lebens hat. „Die Ministrantinnen und Ministranten gehören zu einer der stärksten und sichtbarsten Formen kirchlicher Jugendarbeit in Deutschland“, erklärt Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück), Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. „Wer ministriert, weiß nicht nur um Abläufe von Gottesdiensten. Junge Menschen gestalten ihr religiöses Leben aktiv und machen dabei ganz eigene Glaubenserfahrungen. Das ist Jugendpastoral im besten Sinn: nah an den jungen Menschen und verbunden mit dem Leben der Kirche vor Ort.“

Aktuelle Ergebnisse der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) weisen gleichzeitig darauf hin, dass Ministrantenerfahrungen innerhalb katholischer Glaubensbiografien junger Menschen an Bedeutung gewinnen. Unter den 14- bis 21-jährigen westdeutschen Katholikinnen und Katholiken mit Erstkommunion- oder Firmungserfahrung geben 47 Prozent an, selbst Ministrantin oder Ministrant gewesen zu sein. In den älteren Generationen ist dieser Anteil deutlich niedriger. Bischof Dr. Klaus Krämer (Rottenburg-Stuttgart), Präsident des internationalen Ministrantenbundes CIM, betont die Bedeutung dieses Engagements: „Ministrantinnen und Ministranten zeigen, dass junge Menschen nicht nur Gäste in der Kirche sind. Sie gestalten Liturgie mit und übernehmen Verantwortung. Der Dienst am Altar verbindet junge Menschen über Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg.“

Ein Schwerpunkt des Forums Ministrantenpastoral war die Frage, wie junge Menschen in einer sich wandelnden kirchlichen Wirklichkeit erreicht werden können. Dabei wurde auch die wachsende Bedeutung mehrsprachiger und international geprägter Ministrantengruppen deutlich. Zudem berieten die Teilnehmenden über die Unterstützung ehrenamtlicher Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter sowie über zeitgemäße Formen liturgischer Bildung. Die Ergebnisse der Ministrantenzählung sollen weiter ausgewertet und die Vernetzung der Bistümer soll gestärkt werden. Auch die Beteiligung von Ministrantinnen und Ministranten an zukünftigen Entwicklungsprozessen soll weiter ausgebaut werden.

Ministranten

Derzeit beginnen in den deutschen Bistümern etwa 30.000 Messdienerinnen und Messdiener jährlich ihren Dienst, bundesweit sind mehr als 58 000 Gruppenleiter einschließlich Oberministranten aktiv. Die seit dem 8. Jahrhundert in der katholischen Kirche eingeführten Ministranten werden nach ihrer Erstkommunion und einer Vorbereitungszeit in einem besonderen Gottesdienst in den Dienst aufgenommen. Sie haben wichtige Aufgaben in der Gestaltung der Liturgie (griech. „leiturgía“ aus „érgon“ = Werk und „léitos“ = zum Volk gehörig), bringen bei der Eucharistiefeier Brot, Wein und Wasser zum Altar, assistieren bei der Spendung von Sakramenten, bei Andachten und Prozessionen.

Zum Teil sind die Ministrantendienste aus den früheren niederen Weihestufen des Priesteramtes abgeleitet: Sie sammeln die Kollekte ein, läuten der Wandlungsglocken während des Hochgebets und auch der Dienst des Lektors kann von einem Ministranten übernommen werden. Als Libriferar halten sie liturgische Bücher bereit, tragen als Thuriferar das Weihrauchfass, als Navikular das Schiffchen, als Akolythen und Ceroferare Kerzen und Leuchter, als Kruziferar das Vortragekreuz, als Mitrafer und Baculifer die Mitra und den Stab des Bischofs. In mehr als zwei Dritteln der Pfarreien gibt es regelmäßige Gruppenstunden mit pädagogisch orientierten Angeboten über eindeutig liturgische Bildung, Katechese, Gebet und „spirituelle Besinnung“ bis zu konkreten Sozialaktionen. Auch werden Ausflüge, Freizeiten oder Zeltlager angeboten.

Der Ministrantendienst war als Hinführung zum Priesterberuf angesehen, deshalb nur Männern und männlichen Jugendlichen vorbehalten. Bereits das Zweite Vatikanische Konzil stellte klar, dass es sich beim Dienst der Ministranten um einen liturgischen Dienst handelt, der im Sinne der tätigen Teilnahme an der Messfeier allen Getauften zukommt. Doch erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurden weibliche Jugendliche schrittweise zugelassen.

Auf Bistumsebene wird die Ministrantenarbeit von Referenten unterstützt, auf Bundesebene durch die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj). Das Starterpaket für Ministrantinnen und Ministranten , seit Herbst 2023 wieder verfügbar, will die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Ministrantinnen und Ministranten sichtbar machen und als Zeichen der Wertschätzung beim Dienst ermutigen. Es entstand in Zusammenarbeit des Referats für Ministrantenpastoral in der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) und des Zentrums für Berufungspastoral (ZfB).

Der 1960 unter starker deutscher Beteiligung in Altenberg gegründete Inter­nationalen Minis­trantenbund „Coetus Internationalis Ministrantium“ (CIM) entstand aus pastoralen und liturgischen Gründen, aber auch als Friedens­initiative von und für Minis­trantinnen und Minis­tranten: Die 1962 eingerichteten gemeinsamen Rom­wallfahrten für Jugendliche ab 13 Jahren und junge Erwachsene findet alle vier Jahre statt. Zuletzt reisten im Sommer 2024 rund 50.000 Ministrantinnen und Ministranten zur internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom. Präsident des CIM ist Bischof Dr. Klaus Krämer (Rottenburg-Stuttgart). Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) ist die Fachstelle für Jugendfragen der Deutschen Bischofskonferenz. Sie unterstützt die Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz und arbeitet an zentralen Frauen katholischer Jugendpastoral in Deutschland. Informationen zur Ministrantenpastoral sind unter ministranten.de verfügbar. Internetseite des CIM: www.minis-cim.net

Ministrantenpastoral im Erzbistum Köln, Erzbistum Köln, Generalvikariat, Bereich Jugend-, Schul- und Hochschulpastoral, Fachbereich Spiritualität & Jugendpastoral in Gemeinden, Marzellenstr. 32, 50668 Köln, +49 221 1642-1937, +49 0221 1642-1400, info@ministranten-koeln.de, Internet: https://www.ministranten-koeln.de/start/

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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Chefredakteur Dr. Christof M. Beckmann | Redaktion KiP-NRW | 0208 - 46849961 | Mail: beckmann@kip-nrw.de
Mit Weihrauch und Kerzen: Große Bühne für die Kleinen
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