Geboren am 20. Juni 1952 in Augsburg studierte Maf (eigentlich: Martha Angelika Felicitas) Räderscheidt ab 1971 Malerei, freie Grafik und Kunstgeschichte an der FH Köln, war von 1976 bis 1977 Meisterschülerin bei Prof. Marianne Kohlscheen-Richter und ab 1981 drei Jahre lang Dozentin für Freihandzeichnen an der FH Köln. Nach diversen Stipendien erhielt sie 1988 den Kunstpreis der Stadt Köln und arbeitete ab 2009 als Dozentin an der Internationalen Kunstakademie in Heimbach. Weitere Lebensstationen und eine Übersicht über ihre Werke und Ausstellungen gibt es unter https://bbk-duesseldorf.de/mitglied/maf-raederscheidt
Ihre persönliche „Stunde Null“ erlebte Maf Räderscheidt im Juli 2021, als im Ahrtal, an der Erft, in der Eifel und an etlichen anderen Orten in NRW und Rheinland-Pfalz das Tief „Bernd“ seine ungeheure Regenlast zur Erde schickte. Selbst kleine Bäche wurden zu reißenden Fluten mit nie gekannter Zerstörungskraft. Die Katastrophe kostete mehr als 180 Menschen das Leben, die Schäden an Häusern, Straßen und Infrastruktur gingen in die Milliarden.
Ein Lebenswerk ging in den Fluten unter
Mit voller Wucht trafen die Fluten auch das bei Gemünd gelegene Atelier von Maf Räderscheidt. Im Kirchenmagazin „Himmel & Erde“ der NRW-Lokalradios erinnert sich die Künstlerin an die Tage danach: „Ich habe gemalt, seit ich 17 bin, ein gewaltiges Werk, was komplett mitgerissen wurde von der Flut – mein Laden, meine Werkstatt, 150 Quadratmeter Lagerraum – und stattdessen war da ein schwarzes Loch und ein furchtbarer Gestank, und auf einmal realisiere ich: Das war mein Leben. Und das war ein ganz entsetzlicher Moment, ich kann es gar nicht beschreiben, wie sehr mich das erschüttert hat.“
Auf diesen Schicksalsschlag folgte wenig später noch ein zweiter: Kurz nach der Flut erkrankte Maf Räderscheidt an einer Sepsis – einer schweren Blutvergiftung: „Wo ich gesagt habe, so: Das ist jetzt mein Tod. Aber in der Zeit hab ich gemerkt: Schmerzen sind schlimm, Qualen sind schrecklich – es gibt so viel Grausamkeit. Der Tod ist NICHT das Schlimmste. Das finde ich schon mal beruhigend. Nach allem, was ich erlebt habe.“ Wochenlang lag die Künstlerin im Koma, kämpfte sich mühsam zurück ins Leben. Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis sie wieder an ihrer Staffelei sitzen konnte.
Seitdem schafft sie jeden Tag neue Kunstwerke – bis heute allein etwa 2.000. Der Glaube an die eigenen Stärken und die Liebe zu ihrer Familie halfen Maf Räderscheidt, noch einmal ganz neu anzufangen. Und sie war dabei nicht allein, erzählt sie: „Das Gute war die unfassbare Menschlichkeit, die mir entgegengeschlagen ist. Also in Gemünd, wo wir sehr viel Todesopfer haben, da hat sich eine Gemeinschaft gebildet, da krieg ich Pipi in die Augen, wenn ich nur davon rede. Das sind so viele gute Sachen. Da hoffe ich, dass ich noch 20 Jahre habe.“
Hier gibt es einen Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger über Maf Räderscheidt vom 18. Juni 2022
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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de- Maf Räderscheidts „Stunde Null“

