Pressemitteilung

Neue EKD-Friedensdenkschrift: Verständnis für Aufrüstung

Von Manfred Rütten (ev.). Vom 9. bis 12.11.2025 tagte in Dresden die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dabei wurde auch eine neue Friedensdenkschrift mit dem Titel „Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick“ vorgestellt

  • 23.11.2025
  • Manfred Rütten


1981 – also vor dem Hintergrund der damaligen sowjetischen Bedrohung durch neue atomare Mittelstreckenraketen und der darauffolgenden Diskussion um die Antwort der westlichen Staaten in Form des sogenannten „NATO-Doppelbeschluss“ – debattierte die Evangelische Kirche in Deutschland schon einmal grundsätzlich über ihr Verhältnis zu Krieg und Frieden. Ihre damaligen Texte waren in Teilen stark pazifistisch geprägt und setzten sich für eine intensive Entspannungspolitik sowie für Abrüstung ein.

Jahrzehnte später folgte mit der Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ ein neues Grundsatzpapier der EKD. Darin wurde 2007 das Leitbild „Gerechter Frieden“ als prozessorientiertes Konzept stark betont: Es ging um Abrüstung, zivilgesellschaftliche Arbeit und vor allem um Gerechtigkeit als Friedensbedingung. Die nun in Dresden vorgestellte Friedendenkschrift 2025 knüpft zwar formal an dieses Leitbild an, verschiebt jedoch angesichts aktueller Kriege (Ukraine etc.) die Balance stärker zugunsten von Schutz- und Verteidigungsfragen und verändert damit die 2007 gesetzten Prioritäten.

Die neue Denkschrift versteht „gerechten Frieden“ weiterhin als Leitbild, interpretiert ihn aber als komplexen, mehrdimensionalen Prozess in einer «Welt in Unordnung». So verweist z.B. die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs auf die heute vielfältigen und teils ganz neuen Gesichter von Krieg und Bedrohung: „Es werden demokratische Prozesse ausgehöhlt, es gibt Cyberangriffe. Die Menschen müssen sich damit befassen, dass Drohnen über Flughäfen gehen. Es ist die Zeit mit der allerhöchsten Zahl von Kriegstoten in der Welt. Also es sind Zuspitzungen, auch gerade was die Kriege und Bedrohungen und Nöte angeht, von Menschen weltweit.“

Mit ihrer aktualisierten Friedensdenkschrift will die Evangelische Kirche konkrete Orientierungen für Kirche und Gesellschaft im 21. Jahrhundert geben. Dabei identifiziert sie insgesamt vier Dimensionen eines gerechten Friedens: Schutz vor Gewalt; Förderung von Freiheit; Abbau struktureller Ungleichheiten und Umgang mit pluraler, konfliktträchtiger Weltgesellschaft. Diese vier Stränge sollen aus Sicht der EKD zusammengedacht werden.

Zwar bleibt die EKD der Friedensverheißung Christi verpflichtet, nimmt aber ausdrücklich Abstand davon, militärische Mittel in allen Fällen kategorisch auszuschließen. Schutzpflichten (Schutz vor Gewalt, Schutz von Zivilisten und anderen Schutzbedürftigen) werden stärker betont; in bestimmten Ausnahmefällen wird militärische Verteidigung (inkl. kollektiver Selbstverteidigung, begrenzte Abschreckung) als ultima ratio anerkannt — zugleich wird aber auf die hohe normative Schranke, Verhältnismäßigkeit und auf die Vorrangigkeit ziviler/resolutionärer Mittel verwiesen. Begriffe wie „friedenstüchtig“ und „verteidigungsfähig“ werden verwendet.

Gleichzeitig verfolgt die EKS einen ganzheitlichen Ansatz: Militärische Abwehr wird nicht als alleinige Lösung gesehen — zivile Konfliktbearbeitung, humanitäre Hilfe, Friedensförderung, Rüstungskontrolle, Abrüstungsperspektiven und eine internationale Rechtsordnung bleiben zentrale Forderungen. Die Denkschrift fordert zugleich politisches Handeln (z. B. Stabilisierung, Unterstützung für fliehende Menschen, staatliche Vorsorge, gesellschaftliche Resilienz).

Wie das Nachrichtenmagazin ZDFheute berichtet , sehen Kritiker in der Denkschrift ein faktisches Abweichen vom traditionellen pazifistischen Anspruch: Die Zulassung begrenzter militärischer Mittel (auch Abschreckung/Verteidigung) wird als „Abschied vom Pazifismus“ gewertet. Manche sprechen von einer theologischen Legitimation kriegerischer Gewalt. Befürworter argumentieren dagegen, die Denkschrift hebe nur die Realität von Schutzpflichten hervor.

Verbände wie die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF ) kritisieren, dass die Denkschrift ihrer Ansicht nach staatliche und militärische Schutzaufgaben gegenüber langjährigen Forderungen nach Abrüstung, Gewaltverzicht und ziviler Konfliktbearbeitung bevorzuge; zivile Optionen würden als ausreichend unterschätzt. Andere werfen der Denkschrift vor, sie formuliere u.a. nicht klar genug, unter welchen Bedingungen Waffenlieferungen und militärische Unterstützung moralisch zulässig sind — dadurch blieben mögliche Missbrauchs- oder Eskalationsrisiken offen. Auch innerhalb der EKD-Synode gab und gibt es unterschiedliche Bewertungen: Einige der „Kirchenabgeordneten“ sahen in der Denkschrift einen notwendigen Kurswechsel, anderen sehen eben diesen als problematisch an.

Die rund 150-seitige EKD-Friedensdenkschrift mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ steht hier kostenlos zum Download bereit .

Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de
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