Das Instrument aus der Nachkriegszeit hat jetzt ein spezielles digitales Update erhalten, erklärt der Kirchenmusiker Leon Frederic Kleemeier: „Viele Orgeln der Nachkriegszeit klingen technisch perfekt, aber oft etwas flach. Mit der Hybridtechnik können wir neue Klangräume öffnen, ohne das Instrument seiner Seele zu berauben.“ Die Orgel der Petrikirche in Herford wurde dabei in eine sogenannte hybride Orgel umgewandelt, die traditionelle Pfeifenklänge mit digital gesampelten Registern verbindet, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Petrikirche .
Und weiter: „Die technische Umsetzung ist ebenso raffiniert wie unscheinbar: Unter jeder Taste der Orgel sitzt ein kleiner Magnet, der beim Spielen ein digitales Signal erzeugt. Dieses Signal steuert am Computer zusätzliche Register an, die über ein spezielles Lautsprechersystem innerhalb der Orgel erklingen. Für die Organistin oder den Organisten bleibt das Spielgefühl dabei völlig unverändert – die Hybridtechnik arbeitet im Hintergrund.
Kleemeier sieht in diesem Konzept eine große Chance: »Mit der Hybridorgel können wir Orgelmusik wieder neu erlebbar machen – für Gottesdienste, Konzerte und Experimente gleichermaßen.« Auch ungewöhnliche Klangwelten sollen künftig möglich sein: von zarten Synthesizerflächen bis zu Licht-Installationen, die auf gespielte Klänge reagieren. Pfarrer Bodo Ries von der Petrigemeinde freut sich über die Resonanz: »Die neue Orgel ist für uns ein Zeichen gelebter Innovation. Sie verbindet Tradition mit Zukunft und zeigt, dass Kirche auch technisch und künstlerisch mutig sein darf.«
Die Arbeiten an der Orgel, an denen neben Kirchenmusiker Leon Frederic Kleemeier und Orgelbaumeister Johannes Klein auch Informatiker, Tontechniker und Ingenieure beteiligt waren, dauerten mehr als zwei Monate. Mit einem vielseitigen Konzertprogramm wurde die neue Hybridorgel am 16. November 2025 im Rahmen des „Herforder Orgelfestivals“ dem Publikum vorgestellt. Das Repertoire reichte dabei von klassischer Orgelliteratur bis zu modernen elektronischen Klängen.
Unter Komponisten wie Musikern gilt die Orgel bis heute als „Königin der Instrumente“. Einerseits wegen ihres Tonumfangs von bis zu zehn Oktaven und ihrer großen klanglichen Vielfalt. Andererseits aber auch wegen ihrer oft imposanten Erscheinung und Bauweise. Mit ihren meterhohen Pfeifen „trohnt“ sie in vielen Kirchen regelrecht über der versammelten Gemeinde, begleitet deren Gesang oder steht bei Konzerten selber im Mittelpunkt.
Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden laut UNESCO vor mehr als 2000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz nach Europa, wo sie als Kulturgut bis heute weiterentwickelt werden. Seit dem Mittelalter ist Orgelmusik Teil der kirchlichen Liturgie. Nach wie vor werden die meisten Orgeln in Europa gebaut und in viele Länder weltweit exportiert.
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Dies ist ein Beitrag der evangelischen Redaktion PEP für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" in den NRW-Lokalradios. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Dipl-Journalist Manfred Rütten Ev. Rundfunkreferat NRW / Kirche im Privatfunk Tel.: 0211 - 41558115 Mail: ruetten@rundfunkreferat-nrw.de- Hybridorgel in der Petrikirche

