Pressemitteilung

Plaudernetz der Malteser

Von Stefan Klinkhammer (kath.) - Einsamkeit über die Feiertage kann schmerzhaft sein – viele haben es gespürt. Auch dafür haben die Malteser das Plaudernetz erfunden, das Thomas Borgböhmer von den Maltesern aus Köln betreut.

  • 28.12.2025
  • Stefan Klinkhammer

INFO: 47 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, ehrenamtlich mit einsamen Menschen zu telefonieren. Doch die wenigsten tun es bislang. Dabei steigt das Problem: 91 Prozent glauben, dass Einsamkeit in Deutschland zunimmt – gerade an den Feiertagen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel wird das besonders deutlich. Das zeigt der aktuelle Malteser Ehrenamtsmonitor, für den YouGov Anfang Dezember 2025 mehr als 2000 Personen repräsentativ in Deutschland befragt hat. „Die Hilfsbereitschaft ist da. Wir müssen sie nur einfacher abrufbar machen“, sagt Alexandra Bonde, Vizepräsidentin des Malteser Hilfsdienstes. Für 80 Prozent der Befragten sind der Kampf gegen Einsamkeit und die Förderung von Teilhabe wichtige gesellschaftliche Aufgaben, für die mehr ehrenamtliches Engagement nötig ist.

„Das klassische Ehrenamt ist sehr wertvoll, aber feste Termine in der Freizeit, Einsätze vor Ort und Mitgliedschaften kann nicht jeder mit seinem Leben vereinbaren“, betont Bonde. Doch es geht auch anders: 40 Prozent würden spontan einspringen, wenn gerade Hilfe gebraucht wird. 32 Prozent könnten sich digitales Engagement vorstellen – vom Sofa aus, wenn die Kinder schlafen oder nach Feierabend.
Wie niedrigschwelliges Engagement funktioniert, zeigt das Plaudernetz der Malteser. Dort führen Ehrenamtliche Telefonate mit Menschen, die Redebedarf haben oder sich einsam fühlen – ein Bedürfnis, das besonders in der Weihnachtszeit zunimmt. Das Besondere: Die Ehrenamtlichen entscheiden selbst, wann und wie oft sie Anrufe entgegennehmen.

Solche flexiblen Formen des Engagements sind auf dem Vormarsch: Sie reichen von ortsungebundenen Tätigkeiten, die per Telefon oder Internet ausgeübt werden, bis hin zu kurzfristigem Mitmachen bei Aktionen – etwa in der Nachbarschaftshilfe oder nach einem Hochwasser. Dabei kann jeder mit einfachen Mitteln Hilfe leisten, auch ohne festes Mitglied in einer Organisation oder einem Verein zu sein.

„Die verschiedenen Arten von Ehrenamt stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich passend zu den Möglichkeiten und Lebensbedingungen der Menschen“, erklärt Bonde. Ein klassisches Ehrenamt würden laut der Malteser Umfrage 29 Prozent ausüben wollen.
Besonders junge Menschen und Berufstätige mit wenig freier Zeit sprechen flexible Engagement-Formen an: Das ortsungebundene Engagement motiviert vor allem Menschen unter 45 Jahren, spontanes Engagement kommt bei den unter 24-Jährigen am besten an. Ältere über 55 Jahre bevorzugen weiterhin klassische Engagement-Formen mit festen Strukturen.
Flexibel bedeutet aber nicht beliebig: Auch bei lockeren Engagement-Formen haben Freiwillige klare Erwartungen – unverzichtbar sind zum Beispiel geregelte Abläufe und Zuständigkeiten sowie eine persönliche Begleitung. „Auch wer sich individueller und flexibler engagiert, möchte sich nicht verloren und allein gelassen fühlen. Das ist ein Bedürfnis, das wir erfüllen müssen“, so Bonde.

Angesichts des großen Potenzials plädiert die Malteser Vizepräsidentin dafür, sehr flexible Engagement-Formen neben dem klassischen orts- und organisationsgebundenen Ehrenamt zu fördern: „Gerade in schwierigen Zeiten müssen wir die große Hilfsbereitschaft nutzen. Weil diese Hilfe unbedingt gebraucht wird, zum Beispiel im Kampf gegen Einsamkeit. Ehrenamtliches Engagement ist in Deutschland breit verankert. Damit es so bleibt, müssen wir vielfältige Mitmachmöglichkeiten schaffen und Übergänge ermöglichen. So können wir bisher Nicht-Aktive motivieren. Jedes bürgerschaftliche Engagement ist gut und wichtig.“

Das Plaudernetz
Die Malteser bieten mit Unterstützung der Deutschen Telekom deutschlandweit und kostenfrei ein neues „Plaudernetz“ an. Es richtet sich an Menschen mit Redebedarf. Mit dem „Plaudernetz“ wollen Malteser und Telekom das soziale Miteinander stärken. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 / 330 1111 können Menschen, die sich gerade eine gesellige Unterhaltung wünschen oder einsam fühlen, täglich von 10 bis 22 Uhr unkompliziert und kostenlos mit einer zufällig angerufenen Plauderpartnerin oder einem Plauderpartner ins Gespräch kommen. Für die Telekom gilt das Plaudernetz als Teil ihres gesellschaftlichen Engagements für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Zudem sucht das Unternehmen unter seinen Mitarbeitenden aktiv nach engagierten Plauderpartnern.

Worüber in den Gesprächen geredet wird, entscheiden die Plauderpartner und die Anrufenden. Es gelten ein paar einfache Plauderregeln, wie wertschätzendes Miteinander, Wahrung der Anonymität und Verbot von kommerziellen oder missionarischen Zwecken. Ein freundliches „Du“ liegt nahe, mehr aber auch nicht. Verabredungen „bis zum nächsten Mal“ sind im Plaudernetz nicht möglich, da die Anrufenden immer nach Zufall auf die freiwilligen Plauderpartner geschaltet werden.

Wie lange die Gesprächspartner miteinander telefonieren, bleibt ihnen überlassen. In Österreich, wo es das Plaudernetz bereits länger gibt, sind es durchschnittlich 25 Minuten. Die Plauderpartner engagieren sich freiwillig und unentgeltlich für ihre Mitmenschen. Das geht bequem und bei freier Zeiteinteilung – ortsunabhängig und flexibel. Einmal über die Plaudernetz-App registriert, entscheiden sie selbst, wann und wie lange sie erreichbar sein möchten. Stellt man die Plaudernetz-App auf „AUS“, werden keine Anrufe durchgestellt. Das Plaudernetz-Team begleitet die Freiwilligen mit Schulungen und ist ansprechbar, sollte es in einem Gespräch mal zu Problemen kommen. Die Plaudernetz App steht im Apple App Store und im Google Play Store zum Download bereit.

Das Plaudernetz ist kein Krisen-, Notfall- oder Beratungstelefon. In Krisen und Notfällen werden die Anrufenden auf professionelle Krisen- und Notfalltelefone der Telefonseelsorge oder der „Nummer gegen Kummer“ verwiesen.

Mehr Informationen: https://plaudernetz.malteser.de

Die Malteser: Der bis heute gültige Ordensleitsatz „Tuitio fidei et obsequium pauperum / Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen” des „Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta” geht auf die erste Regel der 1048 ins Leben gerufenen Hospitalbrüderschaft des Hl. Johannes zu Jerusalem zurück. Papst Paschalis II. stellte ihr Hospital 1113 unter den Schutz des Hl. Stuhles und der Orden wurde rechtlich eigenständig. Als Zeichen nahm er das achtspitzige weiße Kreuz an, dem die acht Seligpreisungen der Bergpredigt zugeordnet sind. Im 12. und 13. Jahrhundert entstand in Deutschland ein Großpriorat und im heutigen NRW, Dutzende „Kommenden” wurden nach der ersten Niederlassung in Duisburg von der Eifel übers Bergische Land bis nach Ostwestfalen gegründet. Nach den Kreuzzügen ging die Ordensleitung nach Zypern, 1310 nach Rhodos. 1530 siedelten sich die vertriebenen Ordensritter in Malta an. Nach der Vertreibung durch Napoleon Bonaparte ist der Orden seit 1834 in Rom ansässig. Der Malteserorden unterhält diplomatische Beziehungen zu 104 Staaten und hat ständige Beobachter Vertretungen bei den Vereinten Nationen und seinen Sonderorganisationen.

Die Deutsche Assoziation des Souveränen Malteser Ritterordens entstand 1993 durch den Zusammenschluss der 1859 gegründeten Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser-Devotionsritter und des 1866 gegründeten Vereins Schlesischer Malteserritter. Sie hat rund 600 Mitglieder und ist Initiatorin und Trägerin verschiedener Ordenswerke in Deutschland, vor allem der Deutschen Malteser gGmbH mit ihren Tochtergesellschaften und des Malteser-Hilfsdienstes e.V. (MHD). Die Sanitäts- und Katastrophenschutz-Organisation der Katholischen Kirche in Deutschland wurde 1953 durch den Malteserorden und den Deutschen Caritasverband gegründet, ist bundesweit an mehr als 700 Orten vertreten und zählt über eine Million Mitglieder und Förderer. Mit seinen 55.000 ehrenamtlichen und 40.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der MHD eine der großen caritativen Organisationen in Deutschland. Der ehrenamtlich geprägte Malteser Hilfsdienst e.V. ist entsprechend den Strukturen der katholischen Kirche in Diözesen gegliedert. Seine Helferinnen und Helfer engagieren sich im Katastrophenschutz und Sanitätsdienst genauso wie in der Erste-Hilfe-Ausbildung oder in den ehrenamtlichen Sozialdiensten. In der Hospizarbeit begleiten die Malteser unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen. Spiele, Sport und soziales Engagement verbinden die 8.000 Mitglieder der Malteser-Jugend. Internet: www.malteser.de

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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Chefredakteur Dr. Christof M. Beckmann | Redaktion KiP-NRW | 0208 - 46849961 | Mail: beckmann@kip-nrw.de
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