Pressemitteilung

Schwieriges Gedenken: Volkstrauertag 2025

Von Christof Beckmann (kath.) Es ist ein Gedenktag mit Geschichte: 80 Jahre nach dem Ende des II. Weltkriegs stehen auch heute wieder die Fahnen auf Halbmast, wenn der Bundesstag zusammentritt, um zu Versöhnung, Verständigung und Frieden zu mahnen.

  • 16.11.2025
  • Christof M. Beckmann


INFO: Immer zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag – in diesem Jahr am 16. November 2025 – wird in Deutschland der Volkstrauertag begangen. Der Tag soll zu Versöhnung, Verständigung und Frieden mahnen und auch Opfer von anderen Kriegen und Verfolgung in den Blick nehmen. Der Tag gehört zu den „stillen Feiertagen“, für die je nach Bundesland spezielle Einschränkungen gelten. An diesen Tagen gilt in den meisten Ländern ein Tanzverbot, was allerdings immer häufiger in Frage gestellt wird. In der Regel sind auch Sportveranstaltungen – zumindest am Vormittag – untersagt.

Der Volkstrauertag in Deutschland gilt dem Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus. Ursprünglich galt der durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeführte Tag als Gedenktag für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und wurde immer am fünften Sonntag vor Ostern begangen. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Reichstag in Berlin statt. 1934 benannten die nationalsozialistischen Machthaber den Volkstrauertag in „Heldengedenktag“ um, Träger wurden NSDAP und Wehrmacht. Nach Gründung der Bundesrepublik fand 1950 erstmals eine Gedenkstunde im Bundestag statt, der Volkstrauertag wurde auf den November verlegt. Nach dem Mauerfall beschloss die Bundesregierung, die Neue Wache in Berlin-Mitte zur „Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland“ für Krieg und Gewaltherrschaft zu erklären. Seit 1993 legen dort der Bundespräsident und die Repräsentanten der anderen Verfassungsorgane des Bundes Kränze nieder. Bundesweit gibt es zahlreiche Gedenkveranstaltungen an Kriegsgräberstätten und Denkmälern sowie Gedenkgottesdienste, auch wenn der Tag kein kirchlicher Feiertag ist. Blumen und Kränze werden niedergelegt und mit der Mahnung für Versöhnung, Verständigung und Frieden verbunden.

Zentrales Gedenken in Berlin: Am diesjährigen Volkstrauertag (Sonntag, 16. November 2025) werden bundesweit die obersten Bundesbehörden und ihre Geschäftsbereiche sowie die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, trauerbeflaggt . Hochrangige Repräsentanten des Bundes und des Landes Berlin gedenken wie in jedem Jahr der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mit einer Kranzniederlegung in der Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland, der Neuen Wache in Berlin : Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Staatspräsident der Italienischen Republik S. E. Sergio Mattarella, Präsidentin des Deutschen Bundestages Julia Klöckner, Bundeskanzler Friedrich Merz, Präsident des Bundesrates Dr. Andreas Bovenschulte, Präsident des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Stephan Harbarth, Regierender Bürgermeister von Berlin Kai Wegner, Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin Cornelia Seibeld, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer. Italien ist in diesem Jahr Partnerland des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Ausrichter der jährlichen zentralen Gedenkstunde im Deutschen Bundestag. Für Interessierte gibt es am 16. November 2025einen Livestream der Kranzniederlegung, der ab 12:45 Uhr, auf der Webseite www.protokoll-inland.de zur Verfügung steht: https://www.protokoll-inland.de/SharedDocs/kurzmeldungen/Webs/PI/DE/nationale-gedenk-feiertage/volkstrauertag/berichterstattung-volkstrauertag-2025.html

Der Präsident des Volksbundes, Wolfgang Schneiderhan, wird die Gäste gegen 13.30 Uhr zur Gedenkstunde im Deutschen Bundestag begrüßen und der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella hält die Hauptrede. Traditionell kommen in der Gedenkstunde vier „junge Stimmen“ zu Wort. Zwei Frauen und zwei Männer aus Deutschland und Italien berichten über ihre Erfahrungen, die sie in unterschiedlichen internationalen Projekten des Volksbundes machen konnten. Da die Freie Hansestadt Bremen seit November 2025 die Bundesratspräsidentschaft innehat, entsendet sie traditionsgemäß den Chor. Die Mädchenkantorei am Bremer Dom sorgt gemeinsam mit dem Musikkorps Bundeswehr für den musikalischen Rahmen der Gedenkstunde. Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier, Schirmherr des Volksbundes, spricht das 1952 von Theodor Heuss eingeführte Totengedenken , das erstmals Menschen berücksichtig, die wegen ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität verfolgt wurden, sowie die im Dienst gestorbenen Polizistinnen und Polizisten.

Handreichung zum Volkstrauertag 2025:: Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Die Texte der Handreichung zum Volkstrauertag 2025 reflektieren die Bedeutung des Kriegsendes für die damalige Generation und für unsere heutige Zeit. Neben einem Geleitwort von Wolfgang Schneiderhan, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., enthält die rund 60 Seiten umfassende Broschüre Grußworte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bischöfin Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Sie geben Praxistipps für die Organisation einer Gedenkveranstaltung und berichten von der Arbeit des Volksbundes. DOWNLOAD: „Zum Volkstrauertag am 16. November 2025. Gedenkstunden und Gottesdienste gestalten“ . Weitere Informationen unter: www.volkstrauertag.de .

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.: Die am 16. Dezember 1919 gegründet gemeinnützige humanitäre Organisation verstand sich zunächst als Vereinigung von „Angehörigen aller Gefallenen und Vermißten sowie derjenigen Körperschaften und Persönlichkeiten, die für die deutsche Kriegsgräberfürsorge Interesse hegen“. Seit mehr als 100 Jahren bergen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun die Toten der Kriege, informieren und betreuen Angehörige und beraten öffentliche und private Stellen in Fragen der Kriegsgräberfürsorge. Als einziger Gräberdienst weltweit bietet der Volksbund Jugend- und Bildungsprojekte an. Rund 62.000 Mitglieder und 146 000 Spenderinnen und Spender unterstützen ihn dabei. Aus Beiträgen und Spenden, Erbschaften und Vermächtnissen sowie der jährlichen Haus- und Straßensammlung finanziert der Volksbund seine Arbeit überwiegend. Den Rest decken öffentliche Mittel des Bundes und der Länder. Im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen betreut der Volksbund heute rund 830 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Mehr als 500 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mehrere Tausend Ehrenamtliche erfüllen die vielfältigen Aufgaben der Organisation. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nahm der Volksbund seine Arbeit auch im Osten auf, wo im Zweiten Weltkrieg etwa drei Millionen deutsche Soldaten ums Leben gekommen waren: Nach 1989 richtete der Volksbund allein hier 331 Friedhöfe des Zweiten Weltkriegs und 188 Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg wieder her oder legte sie neu an. Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,8 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung.

Kontakt: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Bundesgeschäftsstelle, Sonnenallee 1, 34266 Niestetal, Internet: https://www.volksbund.de

 

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Dies ist ein Beitrag der katholischen Redaktion KiP-NRW für das Kirchenmagazin "Himmel & Erde" im NRW-Lokalfunk. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Chefredakteur Dr. Christof M. Beckmann | Redaktion KiP-NRW | 0208 - 46849961 | Mail: beckmann@kip-nrw.de
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