Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr über 10.000 Fälle von Suizid – damit sterben hierzulande fast doppelt so viele Menschen durch Selbstmord, wie durch Verkehrsunfälle, Verbrechen, illegale Drogen und AIDS zusammengenommen. Die Zahl der Selbstmordversuche ist Schätzungen zufolge zehn Mal so hoch. Zu den offiziell als Selbstmord registrierten Fällen müssen Experten zufolge weitere zehn bis 25% als Dunkelziffer hinzugerechnet werden, die z.B. irrtümlich als Verkehrsunfall gewertet wurden. Auffallend, aber nach Angaben von sciencefiles.org wissenschaftlich noch nicht geklärt, ist die Tatsache, dass 75% aller Selbsttötungen von Männern begangen werden.
Nach Angaben des Bayrischen Rundfunks hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) errechnet, „dass von jedem Selbstmord oder Selbstmordversuch noch insgesamt sechs weitere Menschen wie Angehörige oder Freunde betroffen sind. Eigene Schuldgefühle, Schuldzuweisungen aus dem Umfeld und die Frage nach dem Warum summieren sich für viele trauernde Angehörige zu einem Problemberg. Häufig sind Depressionen und eigene Selbstmordgedanken die Folge. Suizid ist somit ein großes gesellschaftliches und gesundheitliches Problem.“
Weiter heißt es dort: „Die Ursachen, warum Menschen den Freitod wählen, sind vielfältig und komplex. Gefühle der Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit und Perspektivlosigkeit, Traumatisierungen, Konflikte in Beziehungen, psychische oder physische Erkrankungen, Depressionen, gesellschaftlicher Druck oder Kurzschlussreaktionen – das sind Gründe, die zu einem Selbstmord führen können.“
Viele der genannten Empfindungen geben zugleich die Motive wieder, warum sich Menschen Rat und Hilfe suchend an die Telefonseelsorge wenden, ohne dabei gleich Selbsttötungsabsichten zu haben. Dennoch sind Selbstmord-Anrufe nicht so selten, wie es die Statistik vermuten lassen könnte, heißt es dazu in einem Handbuch der Telefonseelsorge zur Suizidprävention von 2009: „Selten sind Menschen klar und präzise in der Angabe von Suizidabsichten. Wenn sie es sind, dann ist der Gedanke meist kein Gedanke mehr, sondern ein handfester, wohlüberlegter Plan, zu dessen Umsetzung die Mittel schon bereitliegen. In der «Reifungsphase» dieses Plans sind Worte umschreibend, metaphernhaft, leicht zu überhören oder falsch zu deuten. Und eben in dieser Kunst sind die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge zu schulen: Das Ungesagte oder die Metapher zu hören und offen zu bleiben für die Berührung mit Verzweiflung und Todeswünschen.“
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter den kostenfreien Rufnummern 0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 zu erreichen. Unter www.telefonseelsorge.de wird auch eine Beratung per Chat oder E-Mail angeboten. Hilfe für die Hinterbliebenen nach einem Selbstmord bietet die ebenfalls bundesweit aktive Selbsthilfegruppe „Angehörige um Suizid e.V.“ unter www.agus-selbsthilfe.de . Dort gibt es auch einen Link zu weiteren Zahlen und Fakten zum Thema Selbstmord.
- HE-2014-09-07_Telefonseelsorge.mp3

