Pressemitteilung

Was wäre, wenn … die Kirche verschwindet?

  • 01.02.2026

In den 20 evangelischen Landeskirchen, die unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammengeschlossen sind, arbeiten neben den 888.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern noch weitere 239.000 Menschen im Hauptberuf – als Pfarrer, Küster, Kirchenmusiker, aber z.B. auch als Pädagogen, Kindergärtnerinnen und Verwaltungsangestellte bis hin zu IT-Fachleuten (Quelle: EKD ). Und: Die evangelische Kirche ist immer noch nah bei den Menschen – bundesweit gibt es 14.000 evangelische Kirchengemeinden .

In den 27 deutschen (Erz-)Bistümern der Katholischen Kirche sind derzeit (Stand 2024/25) 180.000 Hauptamtliche in der verfassten Kirche und angeschlossenen Verbänden tätig – viele davon in den 9.418 Pfarreien und sonstigen Seelsorgeeinheiten wie beispielsweise in Krankenhäusern. Schätzungen zufolge engagieren sich daneben 600.000 Menschen ehrenamtlich in der Katholischen Kirche. Hinzu kommen noch die 726.186 hauptamtlichen Mitarbeiter der Caritas, dem katholischen Wohlfahrtsverband. Die Caritas betreibt nach eigenen Angaben 25.453 Einrichtungen mit rund 1,1 Millionen Plätzen.

Kirchen als Arbeitgeber

Ähnlich sieht es bei der Diakonie aus, dem Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche. Hier sind 687.000 Hauptamtliche tätig. Die Diakonie betreibt nach eigenen Angaben u.a. „Krankenhäuser, Altenpflegeheime, Sozialstationen, Wohngruppen oder Werkstätten für Menschen mit Behinderung, ebenso Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Angebote für Suchtkranke und Obdachlose sowie soziale Beratungsstellen. Der größte Arbeitsbereich diakonischer Einrichtungen und Träger ist die Kinder- und Jugendhilfe mit 13.692 Angeboten bundesweit, gefolgt von der Altenhilfe (6.281 Angebote)“. Insgesamt stehen in den In den bundesweit 33.856 Einrichtungen der Diakonie gut 1,27 Millionen Plätze und Betten zur Verfügung.

Addiert man die Zahlen, so stellen allein Diakonie und Caritas in Deutschland 2.364.874 Betreuungsplätze bereit – vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe, der Alten- sowie in der Behindertenhilfe und Psychiatrie. Beide Wohlfahrtverbände zusammen beschäftigen dafür gut 1,4 Millionen Hauptamtliche. Rechnet man noch die Beschäftigten der beiden verfassten Kirchen hinzu, arbeiten bundesweit 1.832.186 Menschen „bei der Kirche“. Damit gehören die Kirchen nach dem öffentlichen Dienst zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Zum Vergleich: In der deutschen Automobilindustrie sind aktuell (Stand 2024/2025) rund 720.000 bis 770.000 Menschen direkt beschäftigt.

Kirche und Ehrenamt

Wie alle anderen Bürger*innen zahlen auch kirchliche Mitarbeiter Steuern und Sozialabgaben und sind – allein aufgrund ihrer großen Anzahl – ein erheblicher Faktor für die Steuer- und Sozialkassen. Der Gegenwert der darüber hinaus geleisteten Arbeit der insgesamt rund 1,5 Millionen Ehrenamtlichen lässt sich nur schätzen. Allein für das Land Nordrhein-Westfalen wird der wirtschaftliche Wert des Ehrenamts für das Jahr 2023 mit 20,9 Milliarden Euro (berechnet mit Mindestlohn) angegeben. Davon entfielen 21 % und damit also ca. 4,4 Mrd. Euro auf den Bereich „Religion und Kirche“.

Die vorgelegten Zahlen machen deutlich, was und wie viel der Gesellschaft verloren ginge, würde es die beiden großen Kirchen in Deutschland nicht (mehr) geben. Neben den 1,8 Millionen kirchlichen Arbeitsplätzen würden zahllose Angebote vor allem in den Bereichen Kinder, Soziales, Bildung und Gesundheit entfallen: In kirchlich getragenen Bibliotheken, Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, aber auch in der Schwangerschaftskonfliktberatung, der Schuldnerberatung, der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, der Telefonseelsorge oder der Bahnhofsmission.

Kirche und Staat

Kritiker wenden ein, dass die Kirchen für viele ihrer Angebote staatliche Zuschüsse erhalten. Das ist richtig. Aber diese Zuschüsse sind in der Regel nicht kostendeckend, das heißt, die Kirchen setzen hier immer auch „eigenes Geld“ mit ein. Das gilt zum Beispiel für den Bereich der Kindergärten bzw. Kindertageseinrichtungen (Kitas). Die evangelische und die katholische Kirche unterhalten zusammen etwa 50 Prozent aller Kitas in Deutschland. In den rund 9.000 evangelischen Einrichtungen betreuen Erzieherinnen und Erzieher mehr als 500.000 Kinder.

Sie tun dies im Auftrag des Staates. Eigentlich gehören Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche zu den öffentlichen Aufgaben, für die der Staat zuständig ist. Im Zuge des sogenannten Subsidiaritätsprinzips gibt er diese Aufgabe aber an gesellschaftliche Gruppen ab – und spart dabei Geld. Statt eine KiTa zu 100% finanzieren zu müssen, muss der Staat weniger aufwenden, weil z.B. die Kirchen als sogenannte „reiche Träger“ 5 bis 30% der Kosten (Betriebs- und Unterhaltungskosten) aus eigener Tasche übernehmen.

Doch das ist nur einer der vielen Gründe, warum zum Beispiel der Deutsche Städtetag immer wieder die wichtige Rolle der Kirchen als Partner für gesellschaftlichen Zusammenhalt, als Träger sozialer Aufgaben (z.B. in Krisenzeiten, Seelsorge) und als Vermittler von Werten und Orientierung betont. Kernpunkte der Bedeutung der Kirchen aus Sicht des Städtetages:

  • Sozialer Zusammenhalt und Integration: Kirchen stiften Gemeinschaften, bieten Orte der Begegnung und fangen Menschen in Krisen auf, was für das soziale Gefüge der Städte essenziell ist.
  • Wertevermittlung: Sie vermitteln ethische Orientierung und tragen zur Stärkung demokratischer Werte bei, indem sie gesellschaftliche Debatten mitgestalten.
  • Kulturelles Erbe und Identität: Kirchengebäude und ihre Traditionen prägen die Identität der Städte und sind wichtige Teile des kulturellen Erbes.
  • Partner für Kommunen: Sie sind wichtige Partner in der sozialen Arbeit, der Seelsorge und bei der Bewältigung von Herausforderungen in den Städten.

 

... wenn die Kirche verschwindet
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