„Positive Erinnerungen tragen durchs Leben“
Sonntag, 02.03.2025

Gruppenbild mit Pfarrerin: Eine Konfirmandengruppe nach dem Gottesdienst (Foto: Manfred Rütten)
Stillsitzen, zuhören, auswendig lernen: Jahrzehnte lang erinnerte der Konfirmandenunterricht an eine Schulstunde. Heute geht es in vielen Gemeinden lockerer zu, und vielfach ist der Konfirmationsgottesdienst nicht mehr das einzige Highlight.
Im Evangelischen Kirchenkreis Bochum zum Beispiel ruht die Konfi-Arbeit auf zwei Säulen: Dabei sind die Gemeinden zuständig für die Gruppentermine vor Ort und für die Konfirmationsgottesdienste. Das Jugendreferat organisiert darüber hinaus diverse Großveranstaltungen, sagt Jugendreferent Valentin Manche: „Zum Beispiel das »Konfi XXL«. Das ist ein Tag, wo sich ca. 300 Konfis in der Schule treffen, Workshops machen und sich mit Themen auseinandersetzen. Dann gibt´s noch das Konfi-Camp. Das ist eine Woche an der Nordsee mit der Möglichkeit, direkt am Deich zu zelten. Und nach der Konfirmation laden wir alle nochmal ein zu einem »Konfi-Ball«.“
Mit der Konfirmation (lat. konfirmare = bestätigen, bestärken) bestätigen evangelische Jugendliche ihre Taufe und werden dadurch zu vollwertigen Mitgliedern ihrer Kirchengemeinde. Damit verbunden sind u.a. die Zulassung zum Abendmahl und die Möglichkeit, selber Taufpate zu werden. Anders als bei der vergleichbaren Kommunion in der katholischen Kirche (immer am ersten Sonntag nach Ostern = "Weißer Sonntag") ist das evangelische Fest der Konfirmation kein Sakrament und auch nicht an einen festen Termin gebunden. Traditionell werden Konfirmationen zwischen Palmsonntag und Pfingsten gefeiert.
Das Fest ist nach wie vor populär - auch weil es vielfach als Abschiedsritual von der Kindheit begriffen wird. Die Zahl der Jugendlichen, die sich konfirmieren lassen, lag 2020 bundesweit bei 116.000, zwei Jahre später waren es gut 138.000. Dem festlichen Gottesdienst geht eine Unterweisung in den wichtigsten Grundlagen des evangelischen Glaubens und der kirchlichen Lehre voraus.
Dieser Konfirmandenunterricht (KU) dauert je nach Landeskirche zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Die früher obligatorische Abschlussprüfung vor der eigentlichen Konfirmation gibt es vielerorts nicht mehr. An ihre Stelle sind u.a. so genannte Vorstellungsgottesdienste getreten, an denen die Konfirmandinnen und Konfirmanden aktiv mitwirken und so ihr erworbenes Wissen vor der versammelten Gemeinde unter Beweis stellen.
Die Tradition der Konfirmation geht zurück auf den hessischen Landgrafen Philipp der Großmütige (1504 - 1567). Der fühlte sich herausgefordert von der nachreformatorischen Bewegung der Täufer, die die in der Kirche übliche Säuglingstaufe ablehnten mit der Begründung, getauft werden könne nur, wer glaubt. Zu einer solchen Glaubensentscheidung aber sei ein Säugling noch nicht imstande. Um den Konflikt mit den Täufern zu entschärfen, bat Landgraf Philipp den in Straßburg lehrenden Reformator Martin Bucer um Vermittlung, da dieser auch in der Täuferbewegung eine gewisse Akzeptanz genoss.
Bucer entwickelte schließlich eine Kompromisslösung: Zwar sollte die Säuglingstaufe beibehalten, aber später ergänzt werden durch einen kirchlichen Unterricht, an dessen Ende die Kinder bewusst "ja" zu ihrem Glauben und zu ihrer Taufe sagen können. Der Vorschlag fand Eingang in eine neue Kirchenordnung ("Ziegenhainer Zuchtordnung") und wurde dort als verbindliche Aufgabe für die Pfarrer festgeschrieben. Sie hatten künftig zusammen mit den Ältesten der Gemeinde dafür zu sorgen, "dass alle Kinder, wenn sie des Alters wegen fähig sein können, zu dem Katechismus-Unterricht geschickt werden". 1539 wurde daraufhin in Hessen die erste Konfirmation gefeiert.
Als Alternative zur Konfirmation wurde in Deutschland bereits seit 1853 die sogenannte "Jugendfeier" oder "Jugendweihe" angeboten – ein Initiationsritus, entwickelt von freireligiösen Gemeinden. In Opposition zu den Kirchen organisierten sie einen kulturgeschichtlich fundierten Moralunterricht für ihre Kinder. Ihre Blütezeit erlebte die Jugendweihe während der Weimarer Republik (1919 – 1933), als vor allem proletarische Freidenkerbünde, Gewerkschaften sowie die Arbeiterparteien SPD und KPD diesen Ritus für sich entdeckten. Nachdem diese Organisationen in der Zeit des Nationalsozialismus verboten oder gleichgeschaltet worden waren, verschwand vorübergehend auch die Jugendweihe und konnte nach dem Krieg in Westdeutschland nicht wieder zu alter Größe zurückfinden.
In Der DDR avancierte die Jugendweihe dagegen zum staatssozialistischen Festakt, wurde als sozialistische Alternative zu evangelischer Konfirmation und katholischer Firmung begriffen und als solche mit gewaltigem Druck etabliert. Am 27. März 1955 fand die erste Jugendweihe in Ost-Berlin statt. Im Jahr 1985 – also nur wenige Jahre vor dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung - nahmen 97,4 Prozent aller 14–Jährigen in der DDR an einer Jugendweihe teil.
Heute - 40 Jahre später – ist die Feier im Osten der Republik immer noch verbreitet. Nach Angaben des Vereins "Jugendweihe Deutschland" haben 2017 über 30.000 Jugendliche an einer solchen Feier teilgenommen. Der bisherige Höchststand lag 2000 bei rund 96.000. Auch bei Nichtchristen gebe es ein Bedürfnis nach einer würdigen Lebensabschnittsfeier, heißt es zur Begründung. Die Kirchen lassen in der Regel niemanden zur Konfirmation, Erstkommunion und Firmung zu, der parallel an einer Jugendweihe teilnimmt.
Tipp: Die am häufigsten gestellten Fragen (FAQ´s) von Eltern und Kindern zum Thema Konfirmation beantwortet die EKD auf ihrer Internetseite unter http://www.ekd.de/einsteiger/konfirmation.html Weitere Infos und links zum Thema gibt es auch unter www.konfiweb.de