Konfis auf Gedenkfahrt zum Anne Frank-Haus

von Joachim Gerhardt

Sonntag, 16.02.2025

Der Eingang zum Anne Frank-Haus in Amsterdam
Beitrag anhören

Der Eingang zum Anne Frank-Haus in Amsterdam. Hier versteckte sich die Familie Frank zwei Jahre vor den Nazis, ehe sie 1944 verraten und verhaftet wurden. (Foto: Uwe Grieser)

Am 8. Mai 1945 endete in Europa der 2. Weltkrieg. Doch für Anne Frank kam der Sieg über Nazi-Deutschland zu spät. Das 15jährige jüdische Mädchen starb wenige Wochen zuvor im KZ Bergen-Belsen. Aber ihr Tagesbuch blieb der Nachwelt erhalten.

Die Eintragungen darin umfassen den Zeitraum vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944 und wurden größtenteils im geheimen Versteck der Familie Frank in der Prinsengracht 263 in Amsterdam verfasst. Nachdem sämtliche Bewohner verraten und am 4. August 1944 von den Deutschen verhaftet wurden, nahm Miep Gies, eine Freundin und Unterstützerin der Familie, das Tagebuch an sich und bewahrte es so vor dem Zugriff der Gestapo. Sie übergab es nach dem Krieg an Annes Vater Otto Frank, der als einziger der Familie den Holocaust überlebt hatte. Dieser veröffentlichte die Aufzeichnungen seiner Tochter unter dem Originaltitel „Het Achterhuis“ (‚Das Hinterhaus‘). Als „Das Tagebuch der Anne Frank“ wurden die Einträge in den 1950er Jahren weltberühmt und in über 70 Sprachen übersetzt. Laut Wikipedia wurde das Buch 2009 von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 als zweite Tochter des jüdischen Ehepaares Otto und Edith Frank in Frankfurt a.M. geboren. Nach der Machtergreifung durch die Nazis im Januar 1933 nutzte Otto Frank das Angebot, eine Zweigstelle seiner Firma in Amsterdam aufzubauen, um Deutschland zu verlassen. Im Herbst 1933 bzw. Frühjahr 1934 konnte er seine Familie nachholen, und gemeinsam bezogen sie eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus am Merwedeplein 37 am damaligen Südrand von Amsterdam.

"Ich bin nie jemandem begegnet, der das Leben so genoss wie Anne Frank", sagte die Zeitzeugin Jacqueline van Maarsen einmal in einem Interview. Als sie sich an der jüdischen Schule in Amsterdam zum ersten Mal trafen, waren Anne Frank und sie zwölf Jahre alt. Gemeinsam hätten sie am 12. Juni 1942 noch Annes 13. Geburtstag gefeiert. Nur drei Wochen später, Anfang Juli, tauchte die Familie Frank dann unter, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Der Vater, Otto Frank, hatte im Hinterhaus einer Firma in der Prinsengracht 263 ein Versteck für seine Frau Edith und die beiden Kinder Anne und Margot vorbereitet. Hier fanden wenig später auch die Familie van Pels und im November 1942 der Zahnarzt Fritz Pfeffer Unterschlupf.

Ein Poesiealbum, das ihr ihre Eltern zum Geburtstag geschenkt hatten, nutzt Anne Frank als Tagebuch. Der erste Eintrag - datiert vom 12. Juni 1942 - lautet: "Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein." Bis zum 1. August 1944 schreibt Anne Frank fast täglich ihre Gedanken und Beobachtungen auf – dann endet das Tagebuch relativ abrupt.

Was danach geschah ist im Nachwort des im S. Fischer Verlag erschienenen Tagebuches der Anne Frank nachzulesen: "Am 4. August 1944 hielt vormittags zwischen zehn und halb elf Uhr ein Auto vor dem Haus Prinsengracht 263. Ihm entstiegen der uniformierte SS-Oberscharführer Karl Josef Silberbauer und mindestens drei holländische Helfer von der Grünen Polizei, in Zivil, aber bewaffnet. Es ist sicher, dass das Versteck verraten wurde. (…) Die Juden kamen nach ihrer Verhaftung für vier Tage in die Haftanstalt in der Weteringschans in Amsterdam; dann wurden sie in das niederländische »Judendurchgangslager« Westerbork überführt. Mit dem letzten Transport, der von dort in die Vernichtungslager im Osten ging, wurden sie am 3. September 1944 deportiert und erreichten nach drei Tagen Auschwitz in Polen. (…) Edith Frank starb am 6. Januar 1945 im Frauenlager Auschwitz-Birkenau an Hunger und Erschöpfung. Margot und Anne wurden Ende Oktober mit einem so genannten Evakuierungstransport in das KZ Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide deportiert. Als Folge der katastrophalen hygienischen Zustände brach dort im Winter 1944/45 eine Typhusepidemie aus, der Tausende der Häftlinge zum Opfer fielen; darunter waren auch Margot und wenige Tage später Anne Frank. Ihr Todesdatum muss zwischen Ende Februar und Anfang März 1945 liegen. Die Leichen der beiden Mädchen liegen wahrscheinlich in den Massengräbern von Bergen-Belsen. Am 12. April 1945 wurde das Konzentrationslager von englischen Truppen befreit."

Annes Vater Otto Frank wurde Ende Januar 1945 in Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit. Er war der Einzige seiner Familie, der den Holocaust überlebte. Er veröffentlichte das Tagebuch von Anne Frank, das unter dem Titel "Het Achterhuis" (Das Hinterhaus) am 25. Juni 1947 erstmals erschien. Die deutsche Übersetzung erschien 1950 unter dem bekannten Titel "Das Tagebuch der Anne Frank". 1966 gründete Otto Frank den Anne Frank-Fonds in Basel, nachdem bereits 1957 die Anne Frank Stiftung zur Erhaltung des Hauses in der Prinsengracht 263 gegründet worden war. Otto Frank starb 19. August 1980 in Birsfelden bei Basel.

Eine Leseprobe aus dem Tagebuch der Anne Frank gibt es hier.

Sonntag, 16.02.2025