Vor dem Start der Pilgersaison
Sonntag, 06.04.2025

Kapelle in Kevelaer © KIP-NRW
„Pilger der „Hoffnung“ – das ist das Motto des Heiligen Jahres 2025. Auch die Wallfahrtsorte im Land haben dieses Leitwort übernommen. Sie sehen sich als „Hoffnungsorte“. Ein Blick nach Kevelaer und Telgte …
INFO: In Nordrhein-Westfalen gibt es mit über 50 Wallfahrtsorten die meisten in ganz Deutschland. So kennt allein das Bistum Münster 28 große und kleine Wallfahrtsorte, zu denen rund 1,5 Millionen Christen jährlich aufbrechen: Zu den meist besuchten zählen nach Kevelaer die Marienwallfahrtsorte Telgte, Bethen bei Cloppenburg und Eggerode bei Schöppingen, Haltern mit dem Annaberg, der Kreuzwallfahrtsort Stromberg bei Oelde, Warendorf, Herzfeld bei Lippetal, Xanten-Marienbaum und Kranenburg. In Kevelaer zählen die Wallfahrt der Motorradfahrer sowie im August die Wallfahrt der Tamilen und die Bocholter Fußwallfahrt zu den größten Ereignissen im Pilgerjahr. Aber auch das Rheinland ist reich an jahrhundertealten Pilgerorten. Wer hier pilgern möchte, findet zahlreiche Anregungen in einem 2019 erschienenen Buch von Walter Töpner: „Pilgerland Rheinland, Wege und Wallfahrtsorte, 288 Seiten, Verlag: Edition Lempertz, Bonn 2019, ISBN-13: 9783960583264, ISBN-10: 3960583265.
Online-Pilgerportal für das Rheinland: Ein neues digitales Pilgerportal informiert über Pilgerwege im Rheinland. Unter www.rheinland-pilgern.de (www.rheinland-pilgern.de) sind mehr als 3.000 Orte sowie 176 Touren mit insgesamt rund 6.000 Kilometern durch das Rheinland zu finden. Der Service für Fuß- und Radpilgernde sei „einmalig in Deutschland“, so die Macher. Auf dem Portal sind unterschiedliche Informationen wie Tourenlänge, Streckenprofil, Dauer und Höhenmeter sowie Reportagen zu einzelnen Wallfahrtsorten veröffentlicht. Zudem können Nutzende eigene Pilgerwege einstellen und teilen.
Das NRW-Wallfahrtsorte-Wiki: Aachen, alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt; Aldenhoven, Gnadenkapelle Maria, Zuflucht der Sünder; Altenberg, Altenberger Dom („Dom Unserer Lieben Frau zu Altenberg“); Bergheim, Schmerzhafte Mutter in der Remigiuskirche; Biesfeld, Schmerzhafte Mutter Gottes; Billerbeck; Bocholt; Bödingen, Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter Gottes; Bonn, Kreuzbergkirche, Heiliger Stiege und Schmerzhafte Mutter; Büderich, Wallfahrtskapelle Maria in der Not; Buschhoven, Marienwallfahrtsort mit der „Rosa mystica“; Coesfeld, Coesfelder Kreuz; Dalhausen, Marienwallfahrtsort; Darup, Wallfahrtskapelle zum Heiligen Kreuz; Düsseldorf-Benrath, Schwarze Muttergottes von Benrath; Düsseldorf-Bilk, Vierzehn Nothelfer in der Stoffeler Kapelle; Düsseldorf-Gerresheim, Basilika St. Margareta mit Heilig-Blut-Reliquie; Eggerode, Marienwallfahrt Unsere Liebe Frau vom Himmelreich; Essen, Wallfahrt zur „Goldenen Madonna„; Frechen-Grefrath, Schmerzhafte Mutter (früher Bottenbroich); Ginderich; Goch; Grotewiese, Meinerzhagen; Haltern am See, Wallfahrt auf den Annaberg; Heimbach, Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter von Heimbach; Heisterbacherrott, Wallfahrt zum Apostel Judas Thaddäus; Herford, Herforder Vision; Herzfeld (Lippetal), Wallfahrtskirche St. Ida von Herzfeld; Ittenbach, Schmerzhafte Mutter Gottes; Kalk (Köln), Schmerzhafte Mutter Gottes in der Kalker Kapelle,Kevelaer, Marienwallfahrtsort; Kinzweiler; Knechtsteden, Schmerzhafte Mutter; Köln, Minoritenkirche (Grab des seligen Adolph Kolping); Köln, Schrein der Heiligen Drei Könige (Kölner Dom); Köln, St. Maria in der Kupfergasse (Schwarze Madonna von Köln); Kornelimünster, alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt; Kranenburg; Leverkusen-Alkenrath, Seliger Gezelinus; Lüftelberg (Meckenheim), St. Petrus (Lüftelberg) mit dem Grab der Hl. Lüfthildis; Marialinden, Schmerzhafte Mutter Gottes; Marienbaum, Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt (Marienbaum); Marienheide, Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung; Mönchengladbach, alle sieben Jahre Heiligtumsfahrt; Neuss, Quirinus von Rom, Hildegunde von Neuss/Schönau und Cornelius; Neviges, Nevigeser Wallfahrtsdom „Maria, Königin des Friedens“; Nothberg; Stammheim (Köln), Die freudenreiche Mutter Gottes; Stiepel; Stromberg, Heiliges Kreuz; Telgte, Gnadenbild der Schmerzhaften Maria aus Lindenholz; Werl, Marienwallfahrtsort, Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung; Xanten.
Marienwallfahrtsort Kevelaer: Der niederrheinische Wallfahrtsort Kevelaer ist nach dem bayerischen Altötting die größte katholische Wallfahrtsstätte in Deutschland. Die Wallfahrt geht auf Marienerscheinungen während des Dreißigjährigen Krieges 1641/1642 zurück. Zu dem unscheinbaren Heiligenhäuschen mit einem kleinen Kupferstich der Luxemburger Madonna setzte 1642 ein beträchtlicher Pilgerstrom ein. 1654 entstand um den schlichten Bildstock nach dem Vorbild von Scherpenheuvel in Brabant die vier Meter hohe sechseckige Gnadenkapelle. Gezeigt wird ein kleines Papierbild „Unserer Lieben Frau von Luxemburg“ (Consolatrix afflictorum / Trösterin der Betrübten), ein Kupferstich von 7,5x11 cm. 1663 wurde an der Rückseite ein Altar gebaut und 1874 neu errichtet. Der Pilgerzulauf ebbte durch alle Generationen und Jahrhunderte bis heute nicht ab: Kevelaer zählt, besonders seit Papst Johannes Paul II. am 2. Mai 1987 den Gnadenort besuchte, jährlich mehr als 800.000 Pilger aus dem In- und Ausland.
Informationen: Wallfahrtsleitung im Priesterhaus, Kapellenplatz 35, 47623 Kevelaer, Tel. 02832 / 93380, Fax 02832 / 9338111, E-Mail: info@wallfahrt-kevelaer.de, Internet: https://www.wallfahrt-kevelaer.de/
Unser Gesprächspartner: Domkapitular Stefan Dördelmann, am 10.03.2024 als neuer Wallfahrtsrektor in Kevelaer eingeführt, begann dort 1986 als Diakon in St. Antonius. Nach der Priesterweihe 1987 war er 1987-1995 Kaplan in Bocholt, Heilig Kreuz, in Münster-Coerde, St. Norbert, 1994-1999 Subdirektor im Collegium Borromaeum und Domkaplan in Münster. 1999-2013 wirkte er als Pfarrer in Geldern, St. Maria Magdalena und ab 2014 in Ibbenbüren an St. Mauritius. 2023 wurde er zum nichtresidierenden Domkapitular ernannt.
Marienwallfahrtsort Telgte: Der Marienwallfahrtsort Telgte verzeichnet rund 150.000 Pilger – mit steigender Tendenz. Gegenstand der Verehrung ist dort das Telgter Gnadenbild der schmerzhaften Maria. Die Pietà mit dem vom Kreuz abgenommenen Christus im Schoß seiner Mutter wurde um 1370 aus Lindenholz geschaffen. Sie wurde von der Muttergottes-Bruderschaft bei örtlichen Flurprozessionen getragen, in einen kostbaren Mantel gehüllt und mit einer Krone geschmückt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ordnete der Münsteraner Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen 1651 eine Prozession von Münster und Warendorf nach Telgte an, ernannte 1654 Telgte zum Hauptwallfahrtsort des Bistums Münster und ließ eine neue barocke Wallfahrtskapelle für die Pietà erbauen, einen achteckigen Zentralbau mit Kuppel. Seit 1701 zogen auch die Kirchengemeinden des westlichen Münsterlandes nach Telgte, es folgte ein Aufschwung der Prozessionen und 1763 wurde ein achteckiger Ausbau mit Glockenturm als Sakristei angebaut. Im 19. Jahrhundert kam von Laien der entscheidende Anstoß für eine Wallfahrt, die seit 1852 aus Osnabrück nach Telgte zog. Die Osnabrücker Wallfahrt ist mit regelmäßig 7.500 Teilnehmern die größte Fußwallfahrt im deutschsprachigen Raum. 1904 wurde Telgte von Papst Pius X. in das Verzeichnis der weltweit anerkannten Gnadenbilder aufgenommen, das durch den Kölner Erzbischof Anton Kardinal Fischer gekrönt wurde. Bekannt ist die Kutschen-Wallfahrt, die jedes Jahr zum Fest Christi Himmelfahrt nach Telgte führt, doch führt auch eine Traktoren-Wallfahrt in die Stadt.
Anreise: Telgte liegt 12 km östlich von Münster an der B 51 und B 64 und ist auch zu erreichen über die A 43 und die A 1 / Abfahrt Münster-Süd. Die Bahnstation Telgte liegt an der Strecke Münster - Rheda-Wiedenbrück. Öffnungszeiten: Kirche und Wallfahrtskapelle sind täglich von 07.30 Uhr bis 19.30 Uhr geöffnet. Pilgerinformationen: Die St. Clemens-Kirche neben der Gnadenkapelle ist zugleich Wallfahrtskirche, wird derzeit aber umfassend umgestaltet. Ein etwa 1 km langer Kreuzweg in unmittelbarer Nähe zur Ems lädt zum gemeinsamen oder stillen Gebet ein.
Kontakt: Wallfahrtsbüro Telgter Wallfahrt, Kardinal-von-Galen-Platz 9, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 93 231 – 11, E-Mail: info@telgter-wallfahrt.de, Internet: www.telgter-wallfahrt.de. Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9:00-12:00 Uhr, Di und Do: 15:00 -17:00 Uhr. Mehr Informationen auch bei Stadttouristik im Treffpunkt Telgte, Kapellenstr. 2, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 690-100, Fax 02504 / 690-109, stadttouristik@telgte.de, www.telgte.de.
Museum RELíGIO: In unmittelbarer Nachbarschaft zur kleinen, barocken Wallfahrtskapelle hat sich das Heimathaus Münsterland zu einem populären Museum und Kulturinstitut entwickelt. Das Museum RELíGIO, 1934 von Paul Engelmeier als Wallfahrts- und Heimatmuseum gegründet, zeigte zunächst zeitgenössische Krippen zur Weihnachtszeit und Ausstellungen zu christlicher Kunst. Seit 1974 ist das Museum eine GmbH in Trägerschaft des Kreis Warendorf, des Bistums Münster, der Stadt Telgte, der Stadt Münster und der Handwerkskammer Münster. Es präsentierte volkskundliche Ausstellungen zu verschiedenen Themen wie zum Schützenwesen, Handwerk oder zur Marienverehrung und wurde 1983 mit einem großen Erweiterungsbau vergrößert. Als wissenschaftlich geführtes Museum veröffentlicht das Haus eine Schriftenreihe zur religiösen Kultur, zeigt eine Dauerausstellung zur Krippenkunst und Sonderausstellungen, etablierte sich ab 2000 als „Museum RELíGIO“ und richtet sich in seinen Ausstellungs- und Vermittlungsangeboten zunehmend an ein säkulares und multireligiöses Publikum. Öffnungszeiten: Montag geschlossen, Dienstag bis Sonntag: 11-18 Uhr. Für angemeldete Gruppen und Schulklassen sind auch weitere Termine möglich. Auskünfte und Terminbuchungen unter Tel. 02504 / 93120. Sonderöffnungszeiten: Karfreitag bis Ostermontag von 11-18 Uhr, Pfingstmontag 11-18 Uhr. Eintrittspreise: Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 4 Euro*, Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre: Eintritt frei, Teilnehmer Gruppenwallfahrten: 2,50 Euro, *Ermäßigung für Gruppen ab 12 Personen, Studierende und Mitglieder des Heimatvereins Telgte. Erwachsenengruppen: Führung 60 Minuten 50 Euro, Führung 90 Minuten 70 Euro, (Gruppenstärke bis 20 Personen), Führung für Schülerinnen und Schüler 30 Euro, (bis 20 Personen), Führungen in englischer Sprache und für Sehbehinderte möglich. Öffentliche Führung am zweiten Sonntag des Monats um 15 Uhr. Eintrittskarten gelten ganztägig. Jeden letzten Samstag im Monat freier Eintritt. Das Museum kann zwischendurch verlassen werden. Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlosen Eintritt. Kontakt: RELíGIO, Westfälisches Museum für religiöse Kultur, Herrenstr. 1-2, 48291 Telgte, Tel. 02504 / 93120, E-Mail: museum@telgte.de, Internet: www.museum-religio.de.
Arbeitshilfe zur Zukunft des Pilgerns: Pilger-Experten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) haben im Dezember 2024 Zukunftskonzepte für das Pilgern in Deutschland vorgestellt. Die neue Vielfalt der Pilger und Wallfahrer erfordere neue Antworten. Denn gerade in Krisenzeiten brächen Menschen auf, um ihre Sorgen, ihren Dank und weitere Anliegen an heilige Orte zu tragen, dort eine Kerze zu entzünden und ihre Nöte ins Gebet zu bringen. Die neue Arbeitshilfe mit dem Titel „Du zeigst mir den Weg ins Weite. Zur Zukunft des Pilgerns und Wallfahrens“ ist das Resümee aus drei Expertengesprächen der DBK zum Handlungsfeld Pilgern und Wallfahrten mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Wallfahrtsseelsorge, von Pilger- und Wallfahrtsbruderschaften, von lokalen Tourismusbüros an Wallfahrtsorten, von Pilgerreiseanbietern, der (Religions-)Soziologie, Ethnologie und Pastoraltheologie. -> Download